Jeff Bezos‘ Kündigungswelle bei der Washington Post dient ganz offensichtlich der Querfinanzierung eines Film-Flops, nämlich des Melania-Trump-Films, den er in Joseph-Goebbels-Manier produzieren ließ. Dass Kritik und Kultur dafür herhalten müssen, zeigt, wie die Oligarchie funktioniert und wie ein Oligarch aufrechnet.
Vorgestern habe ich nach meinem Amazon-Account auch meinen Audible-Account gelöscht. Und ich ermutige jede und jeden, die oder der dort noch registriert ist, dazu, das auch zu tun. Mit jedem Kauf bei Amazon und Audible bezahlt man nicht nur Propaganda und die Produktion von Schund, sondern auch die Zerstörung der kritischen Presse.
Die Presse, die vielbeschworene vierte Kraft der Demokratie, hat in der Oligarchie ein doppeltes Problem: Ihre Gängelung durch die Regierenden und deren permanente Angriffe auf Medien, die kritisch berichten, ist das eine. Das andere ist, dass Oligarchen Medien nicht kaufen, um sie arbeiten zu lassen, sondern um sie letztlich auszubluten und kritikunfähig zu machen. Ed Pilkington und Jeremy Barr in The Guardian über Bezos jüngste Kündigungswelle, die auch die Ukraine-Reporterin Lizzie Johnson betrifft, die gerade unter gefährlichen Bedingungen im Kriegsgebiet im Einsatz ist:
Die E-Mail landete kurz vor 16 Uhr Ortszeit in Lizzie Johnsons Posteingang in der Ukraine. Es war eine schwierige Zeit für die Reporterin: Russland hatte wiederholt das Stromnetz des Landes angegriffen, und nur wenige Tage zuvor war sie gezwungen gewesen, in ihrem Auto ohne Heizung, Strom und fließendes Wasser zu arbeiten und mit Bleistift zu schreiben, weil die Tinte ihres Kugelschreibers zu schnell gefror. „Schwierige Nachrichten“ lautete die Betreffzeile. Im Text stand: „Ihre Stelle wird im Rahmen der heutigen organisatorischen Veränderungen gestrichen“, wobei erklärt wurde, dass es notwendig sei, sie zu entlassen, um den „sich wandelnden Anforderungen unseres Unternehmens“ gerecht zu werden.
Die Ukraine-Korrespondentin der Washington Post dürfte angesichts der Entscheidung von Jeff Bezos, dem Amazon-Milliardär und Eigentümer der Post, am Mittwoch mehr als 300 Stellen in der Redaktion zu streichen, sprachlos gewesen sein. Der Stellenabbau, der erneut Ängste über die Widerstandsfähigkeit der amerikanischen Demokratie gegenüber den Angriffen von Donald Trump aufkommen ließ, betraf die gesamte Sportredaktion der Zeitung, einen Großteil der Kultur- und Lokalredaktion sowie alle Journalisten in Nachrichtenregionen wie der Ukraine und dem Nahen Osten, in denen es derzeit wenig zu berichten gibt.
Müll statt Journalismus
Wie man sich täuschen kann, wenn man Übernahmen von Medien durch Oligarchen zunächst begrüßt oder für ihre Rettung hält, zeigt der Artikel einer früheren Washington-Post-Journalistin, die jetzt bei The Atlantic arbeitet. Ihr Name ist Hanna Rosin und sie schreibt:
2013 kaufte Bezos die Zeitung [d. h. die Washington Post] für 250 Millionen Dollar von der Familie Graham und versprach eine bevorstehende „goldene Ära”. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Post bereits verlassen, freute mich aber für meine ehemaligen Kollegen. Als Donald Trump einige Jahre später sein Amt antrat, war es eine Erleichterung zu wissen, dass eine journalistische Institution, die dafür bekannt war, die Verfehlungen des Weißen Hauses zur Rechenschaft zu ziehen, immer noch in der Nähe war.
Noch naiver sind die, die glauben, dass das alles nichts mit Amazon, seinen Tochterfirmen, und der Regierung Donald Trumps zu tun hat. Pilkington und Barr in The Guardian weiter:
Die Entlassungen erfolgten nur fünf Tage nach dem Start der First-Lady-Dokumentation „Melania“, die von Amazon MGM Studios finanziert wurde. Bezos investierte 75 Millionen Dollar in diesen „vergoldeten Müll“, scheint jedoch im Gegensatz zur Post unbeeindruckt von der mageren Rendite des Films zu sein.
„Was Bezos für Melania getan hat, während er seine eigene Zeitung ruinierte“, schrieb der Historiker Simon Schama, werde „als das auffälligste Symptom des kulturellen Zusammenbruchs in einer Demokratie angesehen werden, die nur noch an einem seidenen Faden an der Wahrheit hängt“. Dieser schicksalhafte Wendepunkt zeichnete sich schon seit einiger Zeit ab. Die ersten Warnsignale gab es im Oktober 2024, als Bezos nur elf Tage vor der Präsidentschaftswahl die geplante Unterstützung der Post für Trumps demokratische Konkurrentin Kamala Harris zurückzog.
Verschrottung der Kultur
Wer immer noch glaubt, dass die Verschrottung der Kultur – denn auch kritische Berichterstattung ist Kultur, die Errungenschaft einer Kultur der Dialektik und der differenzierten Auseinandersetzung, die die Demokratie auszeichnet – nicht die oberste Direktive der oligarchischen Diktatur ist, täuscht sich weiter. Die Streamingplattformen (auch eine solche besitzt und betreibt Jeff Bezos) räumen längst auf, zeigen keine kritischen Filme und Serien mehr und vermehren den Schrott, den sie noch anbieten, mit selbst produzierter vergoldeter Scheiße wie dem Melania-Film.
Auch hierzulande mehren sich die Zeichen der Befürwortung einer Oligarchisierung der Kultur. Viele halten Sprachunterricht für »Klassismus« und die Vermittlung europäischer Kultur für unnötig und wollen sie durch einen »Informatik«-Unterricht ersetzen, der nichts anderes als eine Windows-Office-Schulung ist. Microsoft wird sich für diese freiwillige Oligarchisierung nicht einmal bedanken, sondern das Geld ohne Dank nehmen.
Die Talfahrt der Zeitungen geht indes weiter. Pilkington und Barr:
Seit dem Jahr 2000 haben rund 3.500 Zeitungen ihren Betrieb eingestellt, wodurch jeder vierte Amerikaner nun in einer Nachrichtenwüste ohne lokale Zeitung lebt. Das jüngste Opfer war die Pittsburgh Post-Gazette, die im Mai ihre letzte Ausgabe veröffentlichen wird. Sie wurde 1786 gegründet, drei Jahre bevor George Washington das Amt des ersten Präsidenten übernahm.
Während viele Zeitungen eingestellt wurden, sind andere in die Hände einer neuen Generation superreicher Eigentümer aus der Tech-Branche und Risikokapitalgebern gefallen, die wie Bezos den Journalismus als eine Geldquelle betrachten: Die Los Angeles Times wurde 2018 von einem Biotech-Milliardär, Patrick Soon-Shiong, übernommen.
Trumpismus und Österreich
Die Folge: Ein unkontrollierter, nicht mehr kritisierter und nicht mehr kritisierbarer Präsident zwischen kleinkindlichem Narzissmus und seniler Umnachtung zerstört die letzten Reste der Demokratie und damit der Kultur.
Trump ist entfesselt, losgebunden. Er fühlt sich in seiner königlichen Haut so wohl, dass er eine angesehene CNN-Reporterin, die ihn zu den Epstein-Akten befragt, dafür beschimpft, dass sie nie lächelt. Er kann ungeniert Rassismus verbreiten und ein Video posten, in dem der erste schwarze Präsident und seine First Lady als Affen dargestellt werden.
Er kann maskierte Paramilitärs auf die Straßen von Minneapolis schicken, was dazu führt, dass Amerikaner getötet werden, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben. Und wenn die Umfragen für die Zwischenwahlen im November für ihn schwierig aussehen, kann er sich auf einen weiteren Blitzkrieg gegen die Grundfesten der amerikanischen Demokratie vorbereiten: die Wahlurne.
Österreich läuft mit seiner verunglückten »Bildungsdebatte«, offen rassistischer Propaganda der Parteien ÖVP und FPÖ und seiner verfehlten Medienpolitik Gefahr, immer mehr vom Trumpismus zu übernehmen. Es gibt eine Partei, die ihm offen zujubelt. Und eine zweite, in deren Hinterzimmern die Trumpisten, die ihn unverhohlen bewundern, lauern und ihre Übernahme der Partei vorbereiten. Dass sie die westeuropäischen Staaten zu Untertanen der Großmächte machen wollen, wissen wir längst.
Titelbild: Manon Véret


