Mittwoch, März 18, 2026

Postenkommandantin S. im U-Ausschuss: Änderungen im Polizeiakt

Postenkommandantin S. wurde im U-Ausschuss befragt. Sie trat auch als Klägerin des Pilnacek-Buches auf. Laut neuer Protokolldaten griff sie unmittelbar vor einem Prozesstermin auf den Polizeiakt zu und nahm Änderungen vor. Im Ausschuss wurde sie damit konfrontiert. Ihre Antwort: “Ich weiß es nicht. Ich kann dazu nichts sagen.”

Am 9. September 2025 begann der dritte Verhandlungstag im Prozess, mit dem Polizeichef Michael Takacs das Pilnacek-Buch von Peter Pilz verbieten lassen wollte, im Landesgericht für Strafsachen in Wien. Die vier Kläger saßen ab 9:30 Uhr auf der Fensterseite des Saals: Takacs, sein niederösterreichischer Polizeidirektor Franz Popp, Stefan Pfandler als Leiter des Landeskriminalamts in St. Pölten und Barbara S., die Postenkommandantin aus Mautern, die die ersten Ermittlungen am Altarm geleitet hatte.

Weder der Richter noch die Vertreter der Zack Media GmbH wussten, was am Tag vorher geschehen war. Auf Druck des Parlaments hat der Innenminister inzwischen die Files, die die internen Zugriffe auf den Pilnacek-Polizeiakt mit der Zahl PAD/23/02173429KRIM dokumentieren, herausgegeben. Darin findet sich fünf bemerkenswerte Einträge vom Vortag, dem 8. September 2025 und einer vom 6. September.

Einträge vor Ort

Sie haben eine Vorgeschichte. Am Morgen des 20. Oktober 2023 wurde Pilnaceks Leiche von einem Baggerfahrer im Wasser eines Donau-Altarms treibend gefunden. Kontrollinspektorin Barbara S. war als Postenkommandantin aus dem benachbarten Mautern als eine der Ersten am Auffindungsort.

Um 11:03 Uhr begann sie mit Einträgen im PAD-Akt. Bis 13.54 Uhr stammen bis auf zwei eines Tatortbeamten alle Einträge von ihr. Um 16:08 Uhr verfasste Kontrollinspektorin S. ihren letzten Eintrag während der laufenden Ermittlungen. Alles, was ab da im Akt geschah, trägt die Signaturen des Landeskriminalamts.

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Am 1. März 2024 stellte die Staatsanwaltschaft Krems offiziell ihre Ermittlungen zum Todesfall „Pilnacek“ ein. Die polizeilichen Ermittlungen waren schon am 8. Jänner 2024 mit dem Abschlussbericht des Landeskriminalamts beendet worden.

Am Vortag des Prozesses

Zweieinhalb Jahre später griff die Postenkommandantin aus Mautern plötzlich wieder auf den Akt zu. Die LogIn-Files dokumentieren für den 8. September 2025 um 10:14 Uhr, was Barbara S. bei ihrem ersten Zugriff tat: „Lesen“.

Um 15:00 Uhr folgt der zweite Eintrag, wieder mit „Lesen“. Um 15:01 Uhr vermerkt das File „Erzeugen“. Um 15:02 Uhr folgen zwei Einträge mit „Ändern“. Das File verweist auf eine „Korrespondenz mit Kontrollinspektor P.“. Der Kontrollinspektor führte die St. Pöltner Pilnacek-Ermittlungen als Stellvertreter von Chefinspektor Hannes Fellner, dem damaligen Leiter der Mordkommission.

Einen Tag später saß Barbara S. als Klägerin im Saal, als ihr niederösterreichischer Landespolizeidirektor und Mitkläger Franz Popp als Zeuge einvernommen wurde.

Wozu hat Barbara S. am Tag vor der Einvernahme des Landespolizeichefs auf den Akt zugegriffen? Was hat sie im Akt geändert? Eines steht fest: Seit dem 20. Oktober 2023 hatte Kontrollinspektorin S. mit den Ermittlungen zu Pilnaceks Todesursache nichts mehr zu tun.

S. wird im U-Ausschuss konfrontiert und hat “keine Antwort”

“Meine Arbeit war mit dem Anfallsbericht erledigt”, gab S. zu Beginn ihrer Befragung Mittwochnachmittag gegenüber der SPÖ-Abgeordneten Katrin Auer zu Protokoll. Und wiederholte: “Ich war danach nicht mehr eingebunden.”

Dann brachte Nina Tomaselli (Grüne) das Thema Log-Daten und konkret die Bearbeitung am 8. September 2025 ins Spiel. “Können sie sagen was Sie vorgenommen haben?” S. antwortete zögerlich: “Das weiß ich nicht mehr.” Tomaselli bohrte nach und bemerkte, dass S. den Akt auch zwei Tage zuvor “gelesen” hat. “Wieso haben Sie im Akt gelesen? Sie waren ja schon längst nicht mehr befasst.” Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung antwortete S.: “Ich weiß es nicht. Ich kann dazu nichts sagen.”

Tomaselli kam auf den Medienprozess zu sprechen: “Ich gebe Ihnen eine Gedankenstütze – am nächsten Tag war ein Prozesstermin, Zivilprozess gegen die Zack Media.” S.:”Ich kann auch mit dieser Gedankenstütze nichts anfangen und die Frage nicht beantworten.” Wie die Bearbeitung der Akten mit dem Umstand zusammenpasst, dass S. seit fast zwei Jahren nicht mehr mit den Ermittlungen befasst war, konnte S. nicht erklären. “Ich weiß es nicht.” Eine “Vorbereitung” für den Prozess bestreitet sie.


Titelbild: ZackZack

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