Kommende Woche geht der Pilnacek-U-Ausschuss weiter. Am Mittwoch ist der IT-Experte der Justiz geladen, der mit seinen Erkenntnissen zur Smartwatch für Aufsehen sorgte. Am Donnerstag werden Journalist Michael Nikbakhsh und Unternehmer Christian Mattura erwartet. Zu letzterem plante die ÖVP ein Hintergrundgespräch – das kurzfristig abgesagt wurde.
Nach ein paar Wochen Pause wird der Pilnacek-U-Ausschuss kommenden Mittwoch und Donnerstag fortgesetzt. Wie ZackZack erfuhr, werden für beide Tage spannende Auskunftspersonen erwartet.
Den Anfang macht am Mittwochvormittag ein für die Justiz tätiger IT-Experte H. Anschließend soll die am Fundort von Christian Pilnaceks Leichnahm verantwortliche polizeiliche Einsatzleiterin S. befragt werden. Am Mittwoch wird Investigativjournalist Michael Nikbakhsh erwartet, der mit seinen Recherchen einiges ins Rollen brachte. Anschließend ist der Unternhemer Christian Mattura geladen. Zu ihm plante die ÖVP am Freitag ein sonderbares Hintergrundgespräch mit ausgewählten Journalisten, das allerdings kurzfristig abgesagt wurde. Aber der Reihe nach.
IT-Experte wird zur Smartwatch befragt
Lange Zeit galten die Smartwatch-Daten als irrelevant oder nicht auswertbar. Bis ein von der WKStA beauftragter IT-Experte die Sicherungskopien der Smartwatch im Frühjahr 2025 auswertete und auf zahlreiche bislang unbekannte Datensätze stieß. Experte H. war von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) beauftragt worden, die Bluetooth-Aktivitäten der Smartwatch zu durchleuchten. Er fand heraus, dass die Uhr zwischen 20. und 21. Oktober mehrmals andere bluetoothfähige Geräte wahrgenommen hatte. Ein mögliches Indiz dafür, dass Pilnacek in der Nacht seines Todes nicht durchgängig alleine war.
Noch in einem weiteren Punkt sorgte die Auswertung von H. für Aufsehen. Der IT-Experte konnte offenbar zahlreiche gesundheitsrelevante Datenspuren auf der Sicherungskopie ausmachen. In einer Unterredung mit der fallführenden Staatsanwältin von der der Standard berichtete sagte M. später, es habe „markante Handgelenksbewegungen“ und wahrscheinlich kein Sturzgeschehen gegeben. Die Uhr habe sich um 1:36 in der Nacht in den Schwimmmodus geschaltet, gegen 3:30 seien die „Heart Rate Events“ gestoppt worden.
H. widersprach damit jedenfalls den Erkenntnissen des LKA Niederösterreich, das nach einer misslungenen Auswertung der Uhr im Bundeskriminalamt “keine für das gegenständliche Ermittlungsverfahren relevanten Daten” auf der Smartwatch festgestellt hatte. Der Experte wird am Mittwoch um 10 Uhr Vormittag als erste Auskunftsperson bereitstehen. Für ihn ist laut ZackZack-Informationen geplant, die Auskünfte mit einer Art Präsentation zu begleiten.
Postenkommandantin erklärt Einsatzleitung
Danach ist die Befragung von Postenkommandantin S. von der Polizeiinspektion Mautern vorgesehen. Sie leitete den Polizeieinsatz nach der Auffindung von Pilnaceks Leiche im Altarm der Donau bei Rossatz.
Die Polizistin, die ZackZack wegen übler Nachrede geklagt hatte, fiel vor allem durch eine Auseinandersetzung mit der Amtsärztin W. auf, welche eine Obduktion von Christian Pilnacek anregen wollte. Die Ärztin sei laut ihrer Aussage “auf massiven Widerstand” gestoßen.
Eine Kremser Staatsanwältin, die mit der Polizistin anschließend telefonierte, ließ im U-Ausschuss dazu ebenfalls aufhorchen. Für sie seien die polizeilichen Schilderungen zum Toten zu unklar gewesen, um den Leichnam freizugeben. “Ich war unsicher. Nur die Polizistin war sicher, dass er ertrunken ist.”
Nikbakhsh und das Kellergespräch
Einer der Journalisten, die sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt für den Fall Pilnacek interessierten war der Investigativjournalist Michael Nikbakhsh. Er traf sich in einem Wiener Kellerlokal am 9. Dezember 2023 mit Karin Wurm, Anna P., Christian Mattura und Peter Hochegger. Dort erzählten Wurm und P. von ihren Theorien rund um Pilnaceks Tod und von Kontakt und Druck vonseiten Bundespolizeidirektor Michael Takacs und Wolfgang Sobotka.
Das Gespräch wurde aufgezeichnet, das dazugehörige Transkript ist auch für den U-Ausschuss ein Schlüsseldokument. Es dient immer wieder als Basis für Befragungen seitens der Abgeordneten. Nikbakhsh wird am Donnerstagfrüh im U-Ausschuss für die Fragen der Fraktionen bereitstehen. Nach ihm kommt ein weiterer Teilnehmer des vielzitierten Kellergesprächs in den Ausschuss.
ÖVP schießt sich auf Mattura ein
Den Abschluss in der kommenden U-Ausschuss Woche macht Christian Mattura. Er war am 9. Dezember 2023 ebenfalls bei besagtem Kellertreff dabei und spielte auch eine Rolle bei der Reise von Pilnaceks Laptop. Die ÖVP wittert bei Mattura Ungereimtheiten und plante für den heutigen Freitag ein Hintergrundgespräch mit ausgewählten Journalisten. Dort sollte über “die fragwürdigen Machenschaften des Christian Mattura” berichtet werden. Doch kurfzfristig wurde der seltsame Termin abgesagt, wie ZackZack erfuhr. Auch vor der Befragung Karin Wurms ging die ÖVP ähnlich vor und schoss sich auf eine geladene Privatperson ein.

Mattura machte im Zusammenhang mit Pilnacek schon zuvor Schlagzeilen. Der Unternehmer war ein Bekannter Pilnaceks und derjenige, der das brisante „Pilnacek-Tape“ im Wiener Innenstadtlokal Il Cavaluccio aufzeichnete, das später an die Öffentlichkeit gelangte. Darin beklagte sich der damals suspendierte Sektionschef über häufige Interventionsversuche der ÖVP, namentlich von Wolfgang Sobotka.
Titelbild: ZackZack


