Sonntag, Februar 1, 2026

So “woke” ist Österreichs Patriotenradio

Im Jänner startete die FPÖ ihren eigenen Radiosender “Austria First”. Das Programm soll sich an echte Österreicher richten und sich gegen den linken, “woken” Zeitgeist der Mainstream-Medien stellen. Bisher ohne Erfolg.

Mit „guter Musik für die Familie Österreich und mit Nachrichten und Informationen, die frei sind vom Regierungsfilter, vom linken Zeitgeist, von Woke-Klamauk und von Gender-Wahnsinn“, startet die Freiheitliche Partei Österreichs ihr eigenes „Patriotenradio“ für gleichgesinnte Bürgerinnen und Bürger.

Dieser neue Sender trägt den patriotischen und paradoxerweise anglizistischen Namen „Austria First“, was offensichtlich an Donald Trumps „America First“-Slogan erinnert.

Extrem diverses Programm

ZackZack hat sich mehrere Stunden lang das neue Anti-Mainstream-Programm angehört.

Wie sich herausstellt, findet sich nicht nur im Namen des Senders keine Spur der deutschen Sprache. Von mehr als 60 gehörten Liedern war kein einziges auf Deutsch. Tatsächlich gab es unter den gehörten Songs mehr Texte auf Französisch oder Spanisch. Entgegen der eigenen Einstellungen zum Thema “Gender-” und “Woke-Wahnsinn”, werden zahllose Songs von Künstlerinnen und Künstlern gespielt, die sich für die LGBTQ-Szene einsetzen – darunter Taylor Swift, Zara Larsson, Adele und Miley Cyrus. Auch Lieder wie „Supergirl“, das im offiziellen Musikvideo ein gleichgeschlechtliches Paar zeigt, befinden sich im Programm des neuen Anti-Woke-Radiosenders.

Wie eine aktuelle Recherche des Standard zeigt, gibt es sehr wohl auch österreichische Interpreten, die auf Austria First gespielt werden, beispielsweise Christina Stürmer und Seiler und Speer. Das Management von Stürmer bestätigt, dass es Austria First bereits zur Unterlassung aufgefordert hat.

Gegen den von der FPÖ oft kritisierten „Klimakommunismus“ setzt Austria First auf Interpreten wie Midnight Oil, die sich aktiv für die Bekämpfung des Klimawandels einsetzen. So wurde auch der bekannte Song „Beds Are Burning“ abgespielt, der von sozialer Ungerechtigkeit und der Klimakrise handelt.

Das Thema Migration ist im Programm ebenfalls gut vertreten. So wird etwa „Englishman in New York“ von Cris Cab gespielt. Dieses Lied konzentriert sich auf die Wichtigkeit von Individualität in der Migrationsfrage und zeigt die Schwierigkeiten von migrierenden Personen in einer neuen Kultur.

Warum das Programm nicht heimischer ist, scheint nicht klar zu sein. An den Lizenzrechten dürfte das nicht liegen. Denn scheinbar hat FPÖs Austria First keine Lizenz für die aktuelle Musiknutzung, wie der Standard erst kürzlich berichtete.

Antworten auf Fragen wie diese will die Freiheitliche Partei gegenüber ZackZack keine geben.

Dass auch ein Angebot aus rein regionaler Musik möglich ist, zeigt der Radiosender „Radio ROT-WEIß-ROT“ bereits seit 2024. Dort gibt es ausschließlich Musik aus Österreich zu hören.

Werbung für Gesinnungsmedien

Neben dem Musikangebot wird das Programm immer wieder durch hauseigene Nachrichtensendungen und Werbeblöcke für andere rechte Medien gefüllt. So gibt es beispielsweise Anzeigen für Info Direkt und unzensuriert.at, dazu gesellen sich Redakteure von Medien wie Auf1 und Der Status. Auch für Bücher wie das neue Werk von Werner Reichel (auch Programmchef von Austria First), Linke Verschwörungstheorien wird die Werbetrommel ordentlich gerührt. Austria First scheint ein weiterer Baustein in der FPÖ-Medienbubble zu werden, der andere Meinungen diskreditiert und eigene Positionen ungefiltert und unkritisch den Hörerinnen und Hörern vorsetzt.

Denn zwischen den internationalen Mainstream-Musikcharts gibt es immer wieder Nachrichtenformate, in denen aktuelle Themen mit einem FPÖ-Spin präsentiert werden. Dazu kommen oft noch Meinungsbeiträge mit Journalisten aus befreundeten Medien, so etwa vom Auf1-Chefredakteur Stefan Magnet.

Ob all diese Kooperationen entgeltlicher Natur sind oder die FPÖ eine andere Gegenleistung erhält, ist nicht bekannt. Auch hier gibt es auf ZackZack-Anfrage keine Antwort der FPÖ.

Das Musikprogramm von Austria First steht in starkem Kontrast zu der Ideologie und Intention hinter dem FPÖ-Webradio. In den Werbeanzeigen, Meinungsbeiträgen und Nachrichtenformaten legt sich das neue Anti-Mainstream-Programm jedoch voll ins Zeug, seinem Anspruch gerecht zu werden und so die FPÖ-Medienbubble weiter abzusichern.


Titelbild: Austria First, Canva

Autor

  • Johannes Neumeister

    Johannes Neumeister studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Bei ZackZack ist er hauptsächlich für Content Creation und Social Media zuständig. Er ist Mitte 20 und freut sich schon auf die Pension.

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