Sonntag, Februar 1, 2026

“Gestapo” und Nazi-Commander: Minnesota spaltet die USA

In Minnesota ist kein Ende der Gewalt in Sicht. Die Einsätze der Anti-Immigrationsbehörde ICE sorgen für breite Proteste auf den Straßen und von führenden demokratischen Politikern. Die US-Regierung droht mit der Armee.

In den sogenannten Twin-Cities in Minnesota – der Hauptstadt Minneapolis und St. Paul – spitzt sich die Lage immer weiter zu. Grund dafür ist der fortdauernde Einsatz der rund 3.000 Beamten der Immigration and Customs Enforcement-Truppe (kurz ICE), die die Regierung Trump in die Stadt im Norden der USA beordert hat um angeblich illegale Migranten festzunehmen und abzuschieben. Sie untersteht der Homeland Security.

Nachdem der ICE-Beamte Jonathan Ross am 7. Jänner 2026 die 37-jährige US-Bürgerin Renée Good im Zuge eines Einsatzes erschossen hatte – Regierungsvertreter versuchten das als Selbstverteidigung zu framen – formierte sich im demokratisch regierten Minnesota von der Straße bis zur Gouverneursresidenz immer heftigerer Widerstand. Sowohl der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, als auch der Gouvernor von Minnesota, Tim Walz, forderten ICE mit eindeutigen Worten auf, den nördlichen Bundesstaat zu verlassen. Seither hat sich die Lage nicht verbessert. Im Gegenteil. Die Situation scheint zunehmend zu eskalieren.

ICE-Beamte wahllos gewalttätig

Auf zahlreichen Videos und Schilderungen in sozialen Netzwerken kann man die Einsätze der Home-Land-Security Einheiten mitverfolgen. Einige Videos zeigen die mit Ausrüstung überladenen paramilitärisch wirkenden, maskierten ICE-Beamten – teilweise mit Baseballcaps oder Kapuzenpullovern – gewalttätig gegen scheinbar beliebige Menschen vorgehen. Auseinandersetzungen zwischen der wachsenden Zahl an Demonstranten und ICE-Agenten mehren sich:

Laut Spiegel-Journalist Frank Hornig, der vor Ort in Minneapolis war, begeben sich Gruppen an ICE-Agenten gezielt in Wohngegenden, Einkaufszentren und Restaurants und kontrollieren dort Menschen, die im Akzent sprechen oder „ausländisch“ aussehen. In einem Fall aßen ICE-Leute in einem mexikanischen Restaurant in Minneapolis zuerst und verhafteten später die Mitarbeiter des Restaurants, wie der minnesotische Star Tribune berichtet.

Dass ICE-Agenten auch gegen US-Bürger vorgehen, wofür sie keine Berechtigung haben, erklärt sich durch den Druck der Behörde, möglichst viele Leute festzunehmen. 3000 Menschen pro Tag soll die Truppe von Commander Gregory Bovine jeden Tag verhaften. Ob die Leute dann auch abgeschoben werden, spielt dabei scheinbar nur eine untergeordnete Rolle, berichtete das Wall Street Journal. Agenten bekämen demnach für jede Verhaftung eine Prämie. Die polizeiähnliche Einheit kann sich nicht über fehlendes Budget beklagen. Rund 75 Milliarden Dollar bezahlt die Regierung Trump für den großflächigen Anti-Migrations-Einsatz in den USA. Wer sich bei ICE bewirbt kann mit einem Einstiegsbonus von 20.000 bis 50.000 Dollar rechnen.

Einen Rückschlag für ICE gab es vor Gericht. Ein regionales Gericht schränkte die Befugnisse der Agenten gegenüber Demonstranten in Monnesota ein. Willkürliche Festnahmen und der Einsatz von Pfefferspray sei nicht mehr erlaubt.

Commander im Nazi-Style – Kein Bewerbungsverfahren

Das Vorgehen der ICE-Agenten befeuert die zunehmende politische Spaltung in den USA. Während die US-Regierung und deren MAGA-Bewegung die gewalttätigen Einsätze mit dem Argument der zunehmenden Sicherheit rechtfertigt und alle Widerstände als „linken Aktivismus“ bezeichnen, werfen ihr die Gegner vor, mit der Gewalt und dem harten Migrationskurs Chaos und Unfrieden in die Communities zu bringen.

Nicht selten werden die Beamten als Faschisten beschimpft, in den sozialen Netzwerken sind Vergleiche zwischen der Trump-Administration und Nazi-Deutschland omnipräsent. Die ICE wird als Gestapo bezeichnet, die durch die Straßen zieht und Menschen verunsichert.

Dazu trägt sicherlich auch das Erscheinungsbild des ICE-Commanders Gregory Bovine bei. Dieser ließ sich in Minnesota in einer Uniform blicken, die stark an das Auftreten von SS-Leuten erinnert. Die Uniform ist nach Angaben von Bovine bereits seit 1924 im Eigentum der Homeland Security. Genutzt hatte sie in den letzten Jahrzehnten jedoch scheinbar niemand.

Für Verwunderung sorgte auch die Enthüllung der Journalistin Laura Jedeed. Sie hatte sich bei ICE beworben, um deren Bewerbungsverfahren zu durchleuchten. In einem Video erklärt sie, ihr Vorstellungsgespräch habe nur sechs Minuten gedauert. Dann sei sie, die sich öffentlich mehrmals gegen das Vorgehen von ICE geäußert hatte und ohne den verpflichtenden Fragebogen der Homeland Security beantwortet zu haben, überraschend eingestellt worden. Das wirft ein Licht auf die Personalstrategie der Behörde. Der Vorwurf von Jedeed: “Sie wissen nicht einmal wen sie einstellen.”

Armee und Nationalgarde stehen bereit

Während die demokratischen Politiker Frey und Walz versuchen, die Demonstranten auf friedliche Proteste einzuschwören, baut sich in Minnesota bereits die nächste Drohkulisse auf. Trump hat 1.500 Soldaten für einen Einsatz in Minnesota bereitgemacht, sollte sich die Lage nicht beruhigen. Gouvernor Walz, der in Ausnahmefällen die Nationalgarde von Minnesota befehligen kann, versetzte diese in Bereitschaft.

Prominente österreichische Politiker äußerten sich zu den Vorgängen in den USA nicht.


Titelbild: APA-Images / AFP / OCTAVIO JONES

Autor

  • Daniel Pilz

    Redakteur. Studierte Philosophie an der Uni Wien. Schwerpunkte liegen in der Innen- und Europapolitik, sowie im Konsumentenschutz.

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