Im steirischen Ausseerland hat die FPÖ bei den letzten Landtagswahlen historisch gut abgeschnitten und der Partei von Mario Kunasek den Landeshauptmannsessel gebracht. Doch nach der Wahl ist von den Versprechen der FPÖ nichts mehr übrig.
An den Stammtischen in Bad Aussee und den umliegenden Gemeinden Grundlsee und Altaussee herrscht Katerstimmung. Viele Menschen haben dort bei den Landtagswahlen im Herbst 2024 erstmals die FPÖ gewählt, um ihr Landeskrankenhaus in Bad Aussee zu retten. Die Freiheitlichen sind mit dem Versprechen in die Wahl gegangen, das Spital vollumfänglich zu erhalten. Nach der Wahl ist davon nichts mehr übrig, der Standort Bad Aussee soll massiv heruntergefahren werden. Die Bevölkerung schwankt zwischen Wut und Sorge.
Rückhalt für FPÖ verschwunden
Im November 2024 eroberte die FPÖ nicht zuletzt dank der massiven Zugewinne im Ausseerland erstmals den Landeshauptmannsessel in der Steiermark. Hauptwahlmotiv für die dortige Bevölkerung im Bezirk Liezen war das Versprechen der FPÖ, das Spital in Bad Aussee in vollem Umfang zu erhalten. In den Gemeinden Bad Aussee und Altaussee konnten die Freiheitlichen um 23 Prozent zulegen, in Grundlsee um 20 Prozent. Vor allem die Sorge um ihr Spital bewog die Ausseer dazu, erstmals der FPÖ ihre Stimme zu geben. Die ÖVP-geführte Landesregierung von Christopher Drexler hatte mit ihren Plänen eines Leitspitals in Liezen massive Ängste ausgelöst.
Der Ausseer Franz Bergler ist vor der Wahl „deswegen der FPÖ beigetreten, damit die Ausseer Bevölkerung eine halbwegs zufriedenstellende Gesundheitsversorgung behält“, erzählt er im Gespräch mit ZackZack. „Die Freiheitliche Partei war im Ausseerland im Nirvana“, betont Bergler. Der Einzige Grund für den Wahlerfolg, war der Versuch, das zentrale Leitspital im Bezirk Liezen zu verhindern, damit die regionalen Krankenhäuser in Bad Aussee, Schladming und Rottenmann in vollem Umfang erhalten bleiben. Die Freiheitlichen hatten genau das vor der Wahl versprochen.
Auch bei den steirischen Gemeinderatswahlen im März 2025 setzte sich der blaue Aufwärtstrend fort. In Bad Aussee holte die FPÖ mit 18,9 Prozent der Stimmen fünf Mandate. Bei den Wahlen 2020 hatte es bei einem Ergebnis von 3,1 Prozent kein einziger Freiheitlicher in den Bad Ausseer Gemeinderat geschafft. Franz Bergler zog für die FPÖ in den Gemeinderat ein. Gegenüber ZackZack unterstreicht er: „Kunasek hat wesentlich von den Stimmen im Bezirk Liezen profitiert. Das hat ihm maßgeblich dabei geholfen, Landeshauptmann zu werden. Das Thema mit den Spitälern war das einzig entscheidende Wahlmotiv für die FPÖ-Wähler.“
Einige Monate später steht die FPÖ im Ausseerland vor einem Scherbenhaufen. Denn das Spital in Bad Aussee wird nach den Plänen der FPÖ-ÖVP-Regierung in der Steiermark nun deutlich verschlankt. Einzige Fachabteilung am Standort bleibt eine Geriatrie, alle anderen Fachabteilungen in Bad Aussee werden geschlossen. Stationäre Betten wird es keine mehr geben. Nur eine kleine Tagesklinik soll erhalten bleiben.
Die allgemeine Entrüstung ist deswegen auch im Jänner 2026 noch groß. Bergler und ein weiterer der ursprünglich fünf freiheitlichen Gemeinderäte sind deswegen aus der Partei ausgetreten. „Das war für mich eine klare Wählertäuschung. Ich bin komplett ausgestiegen“, sagt Bergler im Telefongespräch mit ZackZack. Für die Entscheidung werde er von vielen Ausseern beglückwünscht. Leute, die FPÖ gewählt haben, seien enttäuscht von der Partei. „Am Stammtisch sagen die Leute: ‚Was wollt‘s ihr eigentlich – es hat nichts gehalten`“. Die Freiheitlichen werden bei der nächsten Wahl im Ausseerland deshalb massiv abstürzen und wieder zu einer Kleinstpartei werden, prognostiziert Bergler.
ÖVP-Bürgermeister kritisiert „schlechteste aller Lösungen“
Massive Kritik an dem sogenannten „Plan B“ zur Neustrukturierung der Gesundheitseinrichtungen im Bezirk Liezen kommt auch vom Bürgermeister in Bad Aussee, Thomas Schönauer. Er musste mit seiner ÖVP herbe Verluste einstecken, gewann die Gemeinderatswahl mit 34,9 aber dennoch 10 Prozentpunkte vor der SPÖ.
Auf ZackZack-Anfrage zeigt sich Schönauer auch von der Politik seiner eigenen Partei enttäuscht. Für Gesundheitspolitik ist ÖVP-Landesrat Karlheinz Kornhäusl zuständig. „Er verantwortet den Prozess im Auftrag der Landesregierung und prägt zugleich die inhaltliche Ausrichtung und Kommunikation des Plans.“ Der angesprochene Prozess der Neustrukturierung des Landeskrankenhaus Bad Aussee ist für Schonauer unzufriedenstellend: „Eine Region wie das Ausseerland braucht ein Krankenhaus, das Notfälle behandeln, stationäre Patientinnen und Patienten aufnehmen und medizinische Versorgung in allen Lebenslagen gewährleisten kann.“ Der Bürgermeister nahm deshalb an einem lautstarken Protestmarsch in Graz gegen die Pläne der Landesregierung teil. Hunderte Menschen aus dem Ausseerland reisten am 16. Dezember 2025 mit Bussen an, um ihren Unmut gegen die Aushöhlung ihres Spitals kundzutun.
Schönauer nimmt die eigene Partei in die Pflicht: „Gerade in der steirischen Gesundheitspolitik hätte ich mir von meiner eigenen Partei mehr Sensibilität für die Bedürfnisse der Regionen und mehr Bereitschaft zum Dialog erwartet. Die ÖVP steht traditionell für Verantwortung, Nähe zu den Menschen und starke Regionen. Wenn jedoch Entscheidungen getroffen werden, die den Eindruck erwecken, dass ländliche Räume an Versorgungsqualität verlieren, dann widerspricht das diesem Selbstverständnis.“
Auch gegenüber der eigenen Partei kritisch zu sein, versteht der Bad Ausseer Bürgermeister als demokratische Tugend: „Kritik innerhalb der eigenen Partei ist kein Widerspruch zur Loyalität – sie ist notwendig, wenn man Verantwortung ernst nimmt und Vertrauen erhalten will.“
Kein gutes Haar lässt Schönauer naturgemäß am gebrochenen Wahlversprechen der FPÖ um Mario Kunasek: „Der Wahlkampf der steirischen FPÖ hat große Erwartungen geweckt – eingelöst wurden sie leider mit der schlechtesten aller Lösungen […] Wer den Menschen im Wahlkampf den Erhalt der Spitäler zusagt, muss sich später auch daran messen lassen.“ Bei den nächsten Wahlen in Bad Aussee wird die FPÖ deshalb bedeutungslos werden, glaubt Schönauer.
Die Leitspital-Debatte
Die weitgehende Schließung des Landeskrankenhaus Bad Aussee folgte auf das Scheitern des ursprünglich ausgearbeiteten „Plan A“ der Landesregierung Christopher Drexler. Dieser sah vor, im Bezirk Liezen ein zentrales, modernes Krankenhaus in Stainach-Pürgg zu errichten, das aus dem Ausseerland gut erreichbar gewesen wäre und im Gegenzug die teuren regionalen Spitäler zu schließen. Die FPÖ wetterte gegen diesen Plan der ÖVP-SPÖ-Regierung und gewann damit die Wahl.
Nur wenige Monate später war klar, dass der von der FPÖ-ÖVP erstellte „Plan B“ das Spital in Bad Aussee massiv abwerten wird. Ein geplantes Gesundheitszentrum im Ort wird nach Einschätzung Schönauers nicht in den nächsten fünf Jahren seine Pforten öffnen. Das Vorhaben der steirischen Landesregierung, wonach das Salzkammergut-Klinikum Bad Ischl in Oberösterreich Patienten aus dem Ausseerland aufnehmen soll, ist noch nicht unter Dach und Fach.

Geplante Gesundheitszentren als Kompensation dürften erst in Jahren öffnen. Credits: https://gesundheitsfonds-steiermark.at/regionaler-strukturplan-gesundheit-2030/versorgungsregion-liezen/
Von der Wut der Bevölkerung will die SPÖ profitieren. Der steirische Chef der Sozialdemokraten, Max Lercher, nahm am Ausseer Protestmarsch nach Graz teil und forderte „schlechte Entscheidungen rückgängig zu machen. Es wurde versprochen, jeden Standort zu erhalten und zu entwickeln. Wenn dann aber nur Hüllen von den Standorten zurückbleiben, dann ist dieses Versprechen gebrochen.“ Die SPÖ hat den Vorteil, für die im Rahmen des „Regionalen Strukturplans Gesundheit“ erfolgende Umstrukturierung des steirischen Spitalswesens nicht mehr verantwortlich zu sein.
Eine Stellungnahme aus dem Büro von Landeshauptmann Mario Kunasek erfolgte bis Redaktionsschluss nicht.
Titelbild: APA-Images / APA / ERWIN SCHERIAU, ZackZack


