Mit Orbán wurden Trump und Putin geschlagen. Auch in Ungarn will die Mehrheit den Systemwechsel.
Es war historisch: Zum ersten Mal ist Trumps MAGA abgewählt worden. Der Siegeszug der Achse Trump-Putin scheint durch den ungarischen Erdrutsch unterbrochen, auch, weil es für weitere Wahlen klar scheint: Wer Trump, Vance und Putin hinter sich hat, hat vor sich nicht mehr viel.
Lange hat Orbán Trump gezeigt, wie man stiehlt und plündert und wie man Justiz und Medien so umbaut, dass man dabei nichts zu befürchten hat. Orbáns Vorbilder Putin und Erdogan haben es geschafft. Die Namen ihrer politischen Herausforderer stehen nicht auf Stimmzetteln, sondern auf Haftbefehlen. Netanjahu und Trump sind noch nicht so weit. Bis gestern zitterten sie mit Orbán mit. Seit heute wissen sie, was auch ihnen drohen kann.
Gegen das System
Einiger in der politischen Rechten trösten sich, weil Magyar auch einer von ihnen sei: neoliberal in der Wirtschaft, nationalistisch gegen Ausländer, in vielem ein zweiter Orbán, nur in einem nicht: in der Korruption. Magyar führt Ungarn aus dem Orbán-Sumpf zurück nach Europa. Vielleicht ist das alles – aber im zwei Fronten-Konflikt mit USA und Russland ist das ganz schön viel.
Wer wissen will, was von Magyar zu erwarten ist, muss erst eine Frage beantworten: Warum hat Magyar gewonnen? Warum kein Sozialdemokrat oder Liberaler?
Wahrscheinlich ist mit Peter Magyar keine Politik gewählt worden, sondern etwas ganz anderes: die Absage an ein verhasstes System. Magyars Wählerinnen und Wähler werden nicht viel anders gefühlt haben als die des rechtsliberalen Emmanuel Macron 2017 in Frankreich, der Neofaschistin Georgia Meloni 2022 in Italien, des Kettensägen-Liberalen Javier Milei 2023 in Argentinien und der beiden Linksliberalen Lee Jae Myung in Südkorea und Rob Jetten in den Niederlanden 2025.
Sie alle sind gegen ein „System“ angetreten, egal, ob es das System jahrzehntelang verkrusteter Altparteien oder einer 16-jährigen Misswirtschaft wie beim geschlagenen Orbán war.
Das Alte und das Neue
Wahlen wie gestern in Ungarn senden vor allem ein Signal: dass das Alte wegmuss, damit etwas Neues kommen kann. Wenn das Alte wie in Ungarn eine korrupte Alleinherrschaft war, dann macht das Neue den Weg frei für eine offene Politik. Sollte Magyar wirtschaftlich und sozial „rechts“ regieren, kann es früher oder später eine linke Alternative geben. Nur wenn auch sie „neu“ ist, wird sie eine Chance haben.
Das sind schlechte Nachrichten für Altparteien, aber gute für alle, die selbst etwas in die Hände nehmen wollen. Auch wenn auf der anderen Seite mit Polizei, Justiz und Staatsmedien scheinbar die Übermacht steht – es geht. Das ist die schöne ungarische Lektion.
Titelbild: Wikicommons: Gage Skidmore, Kremlin.ru, European Union, governo.it


