Montag, April 20, 2026

Krisen und Chancen und ein Mad King

Der orange Alptraum hat schon wieder die Welt an den Rand des Abgrundes gebracht. Bis jetzt hatte die Welt dennoch Glück, der entscheidende letzte Schritt blieb uns allen erspart.

Die letzten öffentlichen Worterbrechungen sind nicht nur Wortbrüche und übliche Lügen, wie zuvor. Der Stil des zu Enthebenden radikalisiert sich. Er droht mit Auslöschung von Zivilisationen. Er sondert Sprüche ab, die eher einem megalomanen Bösewicht aus dem Marveluniversum gut zur Fratze stehen würden. Aber leider: Hier spricht nicht Thanos oder Galaktus, hier spricht der Präsident der Vereinigten Staaten.

Er spricht, eher: erbricht täglich neue Grausamkeiten, denn grauslich ist das, was er von sich gibt, schon längst nicht mehr, grauslich ist irgendwie auch lustig, eher klein, während das, was er in die Welt entlässt in großem Ausmaß gefährlich ist. Und kein bisschen mehr lustig. Das Erbrechen von Grausamkeiten ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite teilen sich Medien und Politik. Auch jene Europas. Gerade jene Europas. Wie kann man so tun, als wäre die Welt, die nun wiederholt beinahe über den Rand des Abgrundes taumelte, auch nur annähernd, auch nur irgendwie normal, alles beim Alten?

Nichts ist mehr, wie es war. Donald Trump ist kein Präsident, er ist ein krimineller wahnsinniger König. Seinen Wahnsinn zu normalisieren bedeutet, ihn zu unterstützen. Das ist ein Mann, der Auslöschung von Zivilisationen ankündigt. Was sollte noch schlimmer sein? Der Mad King, der an den roten Knöpfen spielt, hat keinerlei Rücksicht oder Respekt verdient.  Klare Worte sind gefragt und kein um-den-heißen-Brei-herumstreichen. Dieser Brei wird nicht abkühlen. Er wird, so nichts geschieht, irgendwann überkochen. Europa kann sich nicht auf ihn verlassen. Europa darf ihm keinen Augenblick vertrauen. Auch wenn es Krisengewinnler gibt, die das durchaus interessant finden. Ihr Interesse ist nicht das Interesse Europas. Die alte Ordnung ist tot.

Europa muss erkennen, dass Unabhängigkeit und Autarkie im Inneren entstehen wird, nicht im Außen.

Das gilt für medizinische Forschung, für die Verteidigung, für die Entwicklung neuer Technologien und die Offenheit, die es braucht, um neue Technologien auch ankommen zu lassen. Und es braucht ein Selbstvertrauen. Ein großes Selbstvertrauen. Es scheint, dass nicht alle in Europa bereit sind, so selbstbewusst zu werden. Das ist schade. Niemand sonst wird etwas für uns tun. Nur wir selbst. Wir sind allein. Das ist nicht nur erschreckend. Es ist auch eine Chance.


Titelbild: Miriam Moné

Autor

  • Julya Rabinowich

    Julya Rabinowich ist eine der bedeutendsten österreichischen Autorinnen. Bei uns blickt sie in die Abgründe der Republik.

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