Freitag, März 20, 2026

Fake-Website in der ZiB2: Die Abgründe der Anti-SPÖ Kampagne

Eine gefälschte SPÖ-Website wirbelte in Niederösterreich gehörig Staub auf. Von einer gezielten Täuschungskampagne ist die Rede. Doch wer steckt dahinter? ZackZack hat nachgeforscht.

Alles nimmt seinen Anfang in der Kronen Zeitung. Dort erscheint in der Onlineausgabe vom 7. Jänner am frühen Nachmittag der Artikel „Wahlsujets“ von Christian Kern kursieren bereits – Viel Wirbel im Netz. Er ist eines der ersten Puzzlestücke einer wochenlangen Krone-Kampagne gegen SPÖ-Vorsitzenden und Vizekanzler Andreas Babler. Das suggerierte Faktum, Ex-Kanzler Kern würde gegen Babler um die Parteispitze kämpfen, schwächte den SPÖ-Chef.

Der Erfolg der Boulevard-Kampagne gegen Babler ist schwer abzuschätzen. Die vermeintliche Onlinewerbung für den angeblichen Widersacher Bablers am Parteitag am 7. März hat aber Monate später noch reale Auswirkungen. Denn vorige Woche wurde gegen einen ÖVP-Gemeinderat in einer Nachbargemeinde Wiens von der niederösterreichischen SPÖ Klage eingebracht. Er hatte zugegeben, die mit den Wahlsujets in Verbindung stehende Website 7-3-2026.at für einen Auftraggeber erstellt zu haben.

Krone und Rohrhofer berichten

Dass es sich bei den Sujets und der Website um einen Fake handelte, wirft die Frage auf, wie dieser Fake, bei dem ein ÖVP-Mann seine Finger im Spiel hatte, in die Medien gelangte. Denn es gab im Jänner nur zwei Beiträge, die das vermeintliche Wahlsujet aufgriffen.

Neben dem angesprochenen Bericht in der Krone war nur in einem Artikel von Gernot Rohrhofer auf der Plattform exxtra24.at etwas über die fälschliche Wahlwerbung zu lesen. Wer hat ihnen die Sujets zugespielt? Haben sie das Impressum der Website auf Seriosität überprüft, wie es die journalistische Sorgfaltspflicht verlangt? Beantworten wollten weder Rohrhofer noch die Krone-Journalisten diese Frage. In seinem Artikel schreibt Rohrhofer: „Das zugrundeliegende Material (Sujets) wurde der Redaktion von Dritten übermittelt.“

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Fake landet in ZIB2

Der Höhepunkt der Fake-Website sollte aber erst folgen. Noch wusste in der Öffentlichkeit niemand, dass ein ÖVP-Gemeinderat die Seite registriert hatte. Denn die vermeintlichen Wahlsujets von Anfang Jänner für Christian Kern, in denen bereits auf die Website verwiesen worden war, waren medial kein Thema mehr, nachdem sich Kern vom Kampf um die Parteispitze zurückgezogen hatte.

Die Leute hinter der Fake-Website ließen sich deshalb etwas einfallen und erstellten eine ästhetisch schlecht gebaute Website, die das Antreten von Niederösterreichs SPÖ-Chef Sven Hergovich gegen Babler am 7. März in den Raum stellte. „Wir für Sven Hergovich am 7.3.2026“ stand auf der Website.

Kaum jemand nahm davon öffentlich Notiz. Nicht einmal die Krone berichtete über das angebliche Antreten Hergovichs gegen Babler. Umso größer war die Überraschung als ZIB2-Moderatorin Margit Laufer in ihrem Interview mit SPÖ-Geschäftsführer Klaus Seltenheim am 13. Februar plötzlich die Fake-Website mit dem Konterfei von Hergovich aus dem Hut zauberte und dem SPÖ-Politiker vorhielt. Dieser wollte die Seite nicht näher kommentieren.

Woher wusste Laufer zu diesem Zeitpunkt von der Fake-Website? Laufer und Rohrhofer kennen sich jedenfalls. Hatte Laufer die Information von Rohrhofer? Hat sie die von ihr präsentierte Website auf Verlässlichkeit geprüft? Auf diese Fragen an Laufer gab es keine Antwort. Stattdessen meldete sich ein Mediensprecher des ORF: „Der ORF gibt prinzipiell keine Auskunft über redaktionsinterne Vorgänge und Rechercheschritte.“

Anzeige gegen ÖVP-Gemeinderat – prominente Anwältin

Bei der SPÖ Niederösterreich war schnell klar, dass niemand aus der Parteispitze hinter der Fake-Werbung mit Sven Hergovich steckte. Man stellte deshalb Nachforschungen an und stieß auf einen ÖVP-Gemeinderat in einer Nachbargemeinde Wiens, der die Website registriert hatte. Es folgte eine Anzeige und Klagen wegen Urheberrechtsverletzung, Kreditschädigung und Täuschung. 

Bei der SPÖ war man erstaunt darüber, dass der Gemeinderat aus Breitenfurt bei Wien von einer Spitzenanwältin vertreten wurde. Die Rede ist von Linda Poppenwimmer, ehemalige Oberstaatsanwältin, die Postenkommandantin S. gegen ZackZack im Pilnacek-Buchverbotsverfahren vertritt. Im Kurier gab Poppenwimmer an, sie kenne den Gemeinderat über einen gemeinsamen Bekannten und fände den Fall außerdem interessant.

ÖVP-Landesgeschäftsführer in Niederösterreich, Matthias Zauner, richtete der SPÖ-Niederösterreich aus, die niederösterreichische Volkspartei habe nichts mit der Fake-Website zu tun. Der ÖVP-Gemeinderat gab an, im Auftrag eines Dritten gehandelt und mit den Inhalten der Seite nichts zu tun zu haben. Den Namen dieses Dritten wollte er nicht nennen.

Es ist nicht das erste Mal, dass in Breitenfurt eine Fake-Website im Interesse der ÖVP auftaucht. ZackZack berichtete über das kontroverse Bauprojekt in Breitenfurt. Gegen das Projekt hatte sich eine Bürgerbewegung namens „Zukunft Breitenfurt“ formiert. Die Website zukunftbreitenfurt.at gab sich als Medium der Bewegung aus und ist seit kurzem offline. Listengründerin Larissa Putz sagt dazu: „Diese Fake-Website hatte das Ziel, die “Zukunft Breitenfurt” zu diskreditieren.“ Eine weitere politische Fake-Website in der Gemeinde des geständigen ÖVP-Gemeinderats. Reiner Zufall? Möglich. Eine Verbindung zwischen der Seite und dem Gemeinderat konnte ZackZack nicht belegen.

Das Medium des emeritierten Honorarkonsuls

Das Portal Exxtra24.at, wo Rohrhofer schon am 9. Jänner einen Artikel über Wahlsujets und die Fake-Website veröffentlichte, gehört zu 80 Prozent dem Medien- und Politikberater Markus P.

P. fiel in der Vergangenheit mit scharfer Kritik an der SPÖ-Parteispitze auf. Im Frühling 2022 ließ er verlautbaren, er wolle die SPÖ Niederösterreich übernehmen. Den damaligen Parteichef Franz Schnabl bezeichnete er in einem Standard-Interview als „unbekannten Kandidaten im Pensionsantrittsalter mit unter 0,5 Prozent Bekanntheit in Niederösterreich und ohne wirkliches Programm“.

Kannte der Gemeinderat das Medienportal Exxtra24.at? Dafür gibt es nur Indizien. Auffällig ist eine Buchrezension auf Amazon des ÖVP-Gemeinderats, der die Fake-Website registriert hatte. Dort lobt er ein Buch von P. mit einer 5-Sterne-Bewertung.

Zudem likte der Gemeinderat als eine von wenigen Personen ein Posting von Rafael H., Co-Geschäftsführer von Exxtra24.at, auf Facebook, das das Logo des Portals zeigt. Ob P. den ÖVP-Gemeinderat kennt, bleibt allerdings unklar. Der Politberater wollte eine entsprechende Anfrage nicht beantworten.

Es war jedenfalls nicht das erste Mal, dass P. und Rohrhofer an einem Artikel gegen Andreas Babler beteiligt waren. Schon am 24. Jänner 2025 titelte Rohrhofer in der Presse: „SPÖ-naher Medienmanager spricht Andreas Babler die Qualifikation ab“. Der „SPÖ-nahe“ Medienmanager: Markus P.

P. war bis Sommer 2025 Honorarkonsul Albaniens. Er hat den Posten laut eigener Angabe im Sommer 2025 zurückgelegt.


Titelbild:7-3-2026.at (WebArchive)

Autor

  • Daniel Pilz

    Redakteur. Studierte Philosophie an der Uni Wien. Schwerpunkte liegen in der Innen- und Europapolitik, sowie im Konsumentenschutz.

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