Donnerstag, März 19, 2026

Vielen Dank, Herr Trump!

Donald Trump hat den Irankrieg kopflos vom Zaun gebrochen – und die ganz normalen Leute dürfen jetzt die Kosten tragen.

Es ist eine Eigenart an Kriegen, dass sie selten nach Drehbuch verlaufen. Noch mehr trifft das zu, wenn der Drehbuchautor ein Vollidiot ist und sein Co-Autor ein ruchloser Abenteurer. Was haben sich Donald Trump und Israels Oberschurke Benjamin Netanjahu eigentlich gedacht, als sie den Iran-Krieg vom Zaun brachen? Haben sie überhaupt – um in der Sprache des Schachspiels zu sprechen – zwei Züge im Voraus gedacht? Der Eindruck verdichtet sich: Nein, das haben sie nicht.

Niemand würde dem iranischen Gottesstaats-Regime eine Träne nachweinen, niemand einem Blutsäufer wie Ali Khamenei. Aber mit einem reinen Luftkrieg schaltet man nur ein paar Schlüsselfiguren und Kommandozentralen aus. Bodenoperationen und eine Invasion wurden nie in Erwägung gezogen, und würden sowieso auch nicht funktionieren – dann würde man das Land eher in einen Failed State verwandeln, so wie Libyen oder den Irak, die heute in Gewalt und Anarchie versinken. Was das Kriegsziel überhaupt sein soll – darüber herrscht nicht so richtig Klarheit. Wenn man einen Krieg beginnt, sollte man aber das Kriegsziel kennen – und man sollte auch abwägen, welche Optionen das angegriffene Regime hat.

Asymmetrische Kriegsführung

Das iranische Islamistenregime hat richtigerweise erkannt, dass es sich nicht direkt gegen die technologisch übermächtigen USA und Israel wehren kann. Folglich kontern sie auf einer völlig anderen Ebene. Man nennt das asymmetrische Kriegsführung. Die ist jetzt auch nicht ganz neu – das Studium einer solchen Taktik ist daher keine Raketenwissenschaft. Eine Form der asymmetrischen Kriegsführung ist folgende: Man attackiert den Kriegsgegner nicht direkt, sondern indirekt, indem man den Preis für die Weiterführung des Kriegs hochtreibt – für den Angreifer, aber auch für alle Unbeteiligten. Der Plan: Damit diese Unbeteiligten in der Folge Druck auf den Gegner ausüben, den Krieg zu beenden. Genau das hat der Iran gemacht: Er hat die benachbarten sunnitischen Öl-Monarchien attackiert, deren Energieinfrastruktur, deren Wirtschaft, deren Tourismuszentren. Die Folge: Sie verlieren viele Milliarden an Einnahmen. Zweiter Schritt: Man sperrt die Straße von Hormus, dieses Nadelöhr des internationalen Waren-, Logistik- und vor allem Öltanker-Verkehrs. Damit bringt man nicht nur die globalen Lieferketten durcheinander, sondern sorgt für Ölknappheit, für höhere Preise. Noch am anderen Ende der Welt schießt dann die Inflation hoch. Die Wirtschaft stürzt in eine Rezession. Und binnen weniger Wochen sind dann faktisch alle Regierungen der Welt dafür, dass dieser Krieg so schnell wie möglich beendet wird. Denn schließlich keucht dann ihre Bevölkerung unter der Last an höheren Preisen und steigender Arbeitslosigkeit, und da die Regierungen nicht gerne abgewählt werden wollen, werden sie für ein Ende der Kampfhandlungen sein.

All das sind noch nicht einmal sehr raffinierte, unvorhersehbare Wirkungsketten, sondern die ganz unmittelbaren, erwartbaren gewesen – aber ganz offenbar haben Trump und Netanjahu nicht einmal diesen einen, simplen Schritt im Voraus gedacht.

Ein Kapitalismus, der Trump und Musk hervorbringt

Womöglich ist es ja ein prägendes, bemerkenswertes Charakteristikum spätkapitalistischer Dekadenz: Wir leben in einer Welt, in der einer der verrücktesten, durchgedrehtesten Idioten der reichste Mann der Welt ist (Elon Musk) und der womöglich größte lebende Dummkopf der mächtigste Mann der Welt ist (Donald Trump). Wenn man es so betrachtet, sagt es vielleicht etwas über unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem aus.

Wir wollen uns auch nicht nobel des Hinweises entsagen, dass alle Rechtsextremisten dieses Globus, die sich andauernd als die Fürsprecher des kleinen Mannes großtun, bis heute ihren Helden Donald Trump anbeten. Die FPÖ-Leute, von Harald Vilimsky bis Gerald Grosz, pilgern regelmäßig zu den MAGA-Irren in die USA und kommen ob der Bewunderung für den verrückten Strongman im Weißen Haus täglich in orgiastische Verzückung. Den Iran-Krieg haben sie noch bejubelt, denn endlich ist da einer, der handelt, statt dauernd nachzudenken, zu zaudern und alle Für und Wider abzuwägen. Bloß sieht man jetzt: Nicht denken ist auch keine Lösung.

„der wird zu Fuß gehen…“ müssen

Die Herrschaften, die dauernd die große Klappe führen, dürfen sich jetzt gerne zur nächsten Tankstelle begeben und dem von ihnen umschmeichelten „kleinen Mann“ dort erklären, dass es gut ist, wenn die Tankfüllung sein Einkommen auffrisst. Gern können sie es ja mit dem Ratschlag des OMV-Chefs versuchen, der Menschen, die die hohen Spritpreise nicht bezahlen wollen, zurief: Wer sich die explodierenden Benzinpreise nicht leisten kann, „der wird zu Fuß gehen“.

Vielen Tank, Herr Trump!

Donald Trump, den langsam die Panik packt, weil selbst er checkt, dass er sich mal wieder kolossal vertan hat, tüftelte diese Woche gleich darauf die nächste Schnapsidee aus. Um die Straße von Hormus zu öffnen, will er jetzt eine globale Interventionsflotte hinschicken und glaubt, die (europäischen) Nato-Verbündeten hätten ihm dabei zu helfen. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen: jetzt soll die Nato auch noch in das Abenteurertum hineingezogen werden.

Aber die Nato ist ein Verteidigungsbündnis, dessen Logik ist: Wird ein Bündnismitglied angegriffen und kann diesem Angriff nicht alleine Herr werden, dann tritt der Bündnisfall ein – also man hilft sich dann. Es ist aber kein Kriegsbündnis. Wenn ein Nato-Staat aus freien Stücken einen Krieg vom Zaun bricht, dann geht das die anderen überhaupt nichts an. Wer sich selbst eine Grube gräbt, muss schon selbst schauen, wie er wieder herauskommt. Aber es ist nicht nur eine Frage von Logik und Moral, sondern auch eine der Sicherung von Frieden und zumindest eines gewissen Niveaus an internationaler Stabilität: Die Nato in den Iran-Krieg hineinzuziehen, der auch ein Weltkrieg um Ressourcen ist und um globale Vormachtstellung (China und Russland wollte man schwächen, indem man ihren Verbündeten, den Iran, ausschaltet), würde die Welt noch mehr in einen lichterloh flammenden Brandherd verwandeln. Es brennt aber schon genug auf der Welt. Die kriegsgeilen Gewaltfanatiker wie Trump und Netanjahu schaffen nicht mehr Sicherheit, sie schaffen Unsicherheit. Alleine schon die freche, verrückte Forderung, die Nato möge die Kohlen aus dem Feuer holen, bringt die westliche Allianz einen Schritt näher dem Zerfall – ein Zerfall, der aber nur noch mehr Chaos und Unsicherheit nach sich ziehen würde.


Titelbild: Miriam Moné

Autor

  • Robert Misik

    Robert Misik ist einer der schärfsten Beobachter einer Politik, die nach links schimpft und nach rechts abrutscht.

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