Mittwoch, März 18, 2026

Eine Sektflasche, zwei Auskunftspersonen und kein gekauftes Haus: Tag 8 im U-Ausschuss

Auch der achte Befragungstag im Pilnacek-U-Ausschuss brachte einiges Erhellendes. Besonders die Umstände des kellergesprächs mit Anna P. standen im Zentrum der Befragung von Michael Nikbakhsh und Christian Mattura.

Im Pilnacek-Untersuchungsausschuss standen am Donnerstag der Journalist Michael Nikbakhsh und der Unternehmer Christian Mattura als Auskunftspersonen im Mittelpunkt. Sie wurden zu ihren Kontakten und Gesprächen nach dem Tod des ehemaligen Sektionschefs befragt.  

Das Treffen im Keller

Nikbakhsh schilderte seine Recherchen und Kontakte zu Personen aus Pilnaceks Umfeld. Dabei ging es vor allem um ein Treffen im Dezember 2023 in seinem Keller, bei dem mehrere Beteiligte über den Fall gesprochen haben sollen. Dieses Treffen spielte im Ausschuss eine zentrale Rolle, weil dort unterschiedliche Informationen und Einschätzungen über Pilnaceks Tod ausgetauscht wurden.

Auch der Unternehmer Christian Mattura nahm an diesem Treffen teil. Die Abgeordneten befragten ihn vor allem zu seiner Rolle im Umfeld Pilnaceks und dessen Vertrauten sowie zu möglichen Datenträgern und Informationen aus Pilnaceks Umfeld. Besonders Vertreter der ÖVP versuchten dabei, Mattura wiederholt zu diskreditieren. ÖVP-Fraktionsvorsitzender Andreas Hanger befragte Mattura nur zu mutmaßlich illegalem Glücksspiel, in das dieser aus Sicht Hangers involviert sein soll. Seine Fragen wurden von der Verfahrensrichterin allesamt nicht zugelassen. Schon im Vorfeld des Ausschusses hatte Hanger in einem Interview auf OE24 versucht, Mattura als Auskunftsperson in ein schlechtes Licht zu rücken.

Darstellungen Anna P.s widerlegt

Eine wichtige Person in der Causa Pilnacek ist Anna P. Sie war selbst bereits Auskunftsperson im Untersuchungsausschuss und ebenfalls an dem Treffen in Nikbakhshs Keller beteiligt. Ihre dortigen Aussagen sind von besonderem Interesse, weil sie Druck und Einflussnahme seitens Wolfgang Sobotkas und Michael Takacs nahelegten. Später wiederrief Anna P. den Wahrheitsgehalt der Aussagen über den ehemaligen Nationalratspräsidenten und den Bundespolizeidirektor. Das Kellergespräch stellte sie als chaotischen Abend dar, an dem sie sich von den grassierenden Verschwörungstheorien und Alkohol zu unwahren Aussagen hinreißen ließ.

Sowohl Nikbakhsh als auch Mattura zeichneten ein gänzlich anderes Bild des Kellergesprächs. Der Journalist, der sich als „guten Gastgeber“ bezeichnete, sprach von einer „nüchternen“ Anna P. Man habe zu viert nur “eine Flasche” getrunken. Mattura wiederum nahm die Aussagen P.s nicht als wirr und verschwörerisch, sondern als „ernstzunehmend“ wahr.

Thematisiert wurde auch immer wieder der Hauskauf Pilnaceks beim ehemaligen Signa-Manager Christoph Stadlhuber um angeblich 1,43 Millionen Euro. Einige Zeit später wurde das Haus an eine andere Person um 1,01 Millionen verkauft. Pilnacek wollte die Immobilie mit Geld bezahlen, das er „aus Dubai erwartete“, wie bereits einige Auskunftspersonen angegeben hatten. Woher dieses Geld stammen sollte und warum Pilnacek das Haus über dem Marktpreis kaufen wollte, wussten jedoch auch Nikbakhsh und Mattura nicht.

Der Laptop und die Dubai-Million

Wofür erwartete Pilnacek scheinbar Geld aus Dubai? Dahingehende Fragen zu Verschlussakten und Akten aus dem Ibiza-Untersuchungsausschuss, die auf Pilnaceks Laptop gefunden wurden, förderten nichts Neues zutage. Schon davor war klar geworden, dass Pilnacek Beratungstätigkeiten für den ehemaligen ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz geleistet hatte. Daten auf dem Laptop belegen zudem Rechtsberatung für ÖVP-Abgeordnete bei parlamentarischen Anfragen gegen die ehemalige Grüne Justizministerin Alma Zadic, ZackZack berichtete. Ein Zusammenhang zur erwarteten Dubai-Million konnte aber nicht hergestellt werden.

Sowohl Nikbakhsh, als auch Mattura hatten angegeben, die Daten des Laptops über einen Link aus Singapur eingesehen zu haben, den sie erhalten hatten. Die Handhabung der Dateien sei aber schwierig gewesen. “Ich bin mir vorgekommen wie in den 1990ern”, beschrieb der Investigativjournalist die langsame Suchmaske des Singapur-Links.

Der Untersuchungsausschuss geht nach der Befragung von Nikbakhsh und Mattura in die Osterpause. Weiter geht es am 8. April. Noch ist nicht klar, wer dann als Auskunftsperson erscheinen wird.


Titelbild: ZackZack

Autor

ZackZack-Shop
webseitenewsletter banner (8)
LESEN SIE AUCH

Liebe Forumsteilnehmer,

Bitte bleiben Sie anderen Teilnehmern gegenüber höflich und posten Sie nur Relevantes zum Thema.

Ihre Kommentare können sonst entfernt werden.

126 Kommentare

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
126 Kommentare
Meisten Bewertungen
Neueste Älteste
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare