Trumps militärischer Überfall auf den Iran könnte für beide der Anfang vom Ende sein: für das Regime im Iran und für das in Washington.
Die iranische Geschichte seit gestern Abend ist ebenso einfach wie offensichtlich: Donald Trump hat kein Problem mit Venezuela, Grönland oder dem Iran. Sein Problem heißt „USA“. Dort laufen ihm die Wähler aus zwei Gründen davon: erstens, weil er seine wirtschaftlichen Versprechen nicht halten kann; und zweitens, weil ihm das Epstein-Schmutzwasser schon bis weit über den Hals steht.
Trumps Sicherheit
Bei Trumps Kriegen geht es nicht um die Sicherheit der USA, sondern nur um die seiner eigenen Person. In einem friedlichen Land, in dem Gerichte und Zeitungen funktionieren, kann Trump seinen Wechsel von der Regierungsbank auf die Anklagebank wohl nur noch verzögern. Nur der ständige Krieg schafft ihm den Notstand, in dem er neben den äußeren auch die inneren Feinde eliminieren kann.
Mit seinem politischen Doppelgänger Netanjahu und mit den Despoten der arabischen Halbinsel hat er die idealen Partner. Sie sind von Immobilien und Öl bis Kriegen mit ihm im Geschäft.
Der Iran ist der große Preis. Wenn dort der Regimewechsel gelingt und der Nachkomme des Schahs in Teheran installiert wird, können alle beteiligten Nasen noch einmal vergoldet werden.
Wechsel aus der Luft
Aber Regimewechsel erzwingt man nicht aus der Luft. Vom Kampfbomber aus kann man Ayatollah Khamenei töten. Wahrscheinlich erreicht man damit dasselbe wie bei der Tötung von Hasran Nasrallah, dem Führer der Hisbollah. Seine Nachfolger waren radikaler und unberechenbarer.
Also geht es um Bodentruppen. Und da liegt die Hoffnung: Trump kann politisch keine US-Bodentruppen riskieren. Die einzigen „Bodentruppen“, die nach 47 Jahren den Regimewechsel erzwingen können, sind die Hunderttausenden im Iran, die seit Monaten ihr Leben riskieren, weil sie für die Demokratie auf die Straße gehen.
Vielleicht verschafft ihnen der gemeinsame völkerrechtswidrige Überfall von Trump und Netanjahu das Momentum, das alles im Land ins Kippen bringt. Vielleicht laufen dem Regime in Teheran jetzt seine bewaffneten Mitläufer davon. Vielleicht kann der Iran seit langem wieder sein anderes Gesicht zeigen: das eines Landes mit einer Kultur, die vieles in auf der anderen Seite des Golfs in den Schatten stellt.
Ende einläuten
Trump ist der Präsident des moralischen, politischen und wirtschaftlichen Niedergangs der USA. Trotz allem, was er Rechtsstaat und Pressefreiheit dort zufügt, hat er immer noch viel zu befürchten. Anders als Putin und Khameneis Nachfolger können Trump und Netanjahu das, was sie stört, nicht einfach stummschalten.
Der Editorial Board der New York Times schreibt Trump heute früh zu den Kriegen von Afghanistan bis Irak ins Stammbuch: „Diese Kriege stürzten Regierungen, verbitterten jedoch verständlicherweise die amerikanische Öffentlichkeit hinsichtlich unbefristeter Militäroperationen von ungewissem nationalem Interesse und verärgerten die Soldaten, die dort loyal gedient hatten.“
Das ist Trumps Risiko: dass ihm als erstem US-Präsidenten die Loyalität verweigert wird, vom Kongress und den Gerichten bis zu den Wählerinnen, die schon bei den Midterm-Elections im Herbst sein Ende einläuten könnten.
Dann wäre nach Khamenei auch Trump Geschichte.


