Es ist eine merkwürdige Arroganz, anderen zu erklären, was ihnen fehlt. Besonders dann, wenn dem Angebot der Hilfe keinerlei Nachfrage vorangegangen ist.
Es beginnt immer mit einer Geste.
Mit einem ausgestreckten Arm.
Mit einem Satz wie: Wir helfen euch.
Donald Trump liebt solche Sätze. Sie klingen nach Großzügigkeit und enden in jenseitigen Besitzansprüchen. Eigentlich sind seine Hilfsangebote verkehrt herum zu lesen. Hilfe ist in seiner Grammatik kein Angebot, sondern eine Behauptung. Und wer behauptet, bestimmt die Wirklichkeit. Glaubt er. Je weniger andere Menschen daran glauben, desto sicherer ist es.
Also fährt wieder ein Schiff durch die Schlagzeilen. Die USNS Comfort – ein schwimmendes Monument der Fürsorge. Ein Lazarettschiff, das aussieht, als käme es direkt aus einem moralischen Bilderbuch: Seht her, wir bringen Heilung. Grönland liegt im Norden wie ein arktisches Versprechen. Eis, Felsen, Stille. Und darunter Rohstoffe, strategische Lagen, Projektionen. Eine Insel, die gelernt hat, dass Begehrlichkeiten selten offen sind. Dass man zuerst bewundert wird, dann bemitleidet und am Ende beansprucht.
Es ist die alte Dramaturgie: Zuerst erfindet man eine Notlage, dann liefert man die Rettung. Man spricht von medizinischer Versorgung, von Fürsorge, von Menschlichkeit – und verschweigt die Landkarte. Man verschweigt, dass Arktis nicht nur Eis ist, sondern Einfluss. Dass unter jedem humanitären Satz ein geopolitischer Unterton mitschwingt. Holidays on ice, denkt sich das orange Menetekel. Für ihn, sonst für niemand. Abgesehen davon ist vermutlich die einzige Erfahrung, die die USA unter Trump haben, jene mit ICE ganz anderer Art. Und die steht weniger für Heilung, sondern mehr für willkürliche Gewalt. Es erinnert an die „Hilfsangebote“, die Russland der Ukraine vor Beginn des aktuellen Krieges angedeihen ließ. Es ist Putins Playbook. Es mangelt nicht an zusätzlicher Tragikomik, wenn man die gute medizinische Versorgung Dänemarks und Grönlands gegen das grausame Chaos abwägt, das die USA unter einem Gesundheitsminister durchleiden müssen, der angibt, Koks von Klodeckeln konsumiert zu haben, dass in seinem Gehirn ein Wurm gehaust habe (und sogar der wollte dort nicht länger Kost und Logis beziehen!) und der in Jeans in der Sauna work-outs macht. Aber macht euch keine Sorgen, Eisbärenmitbewohner, denn amerikanische Hilfe naht!
Die Zumutung liegt nicht im Schiff. Nicht im Stahl, nicht in den Betten, nicht im medizinischen Gerät. Sie liegt im Narrativ. In der Annahme, dass Größe Recht schafft. Dass ein 272 Meter langer Rumpf mehr Autorität besitzt als eine gewählte Regierung. Dass Weiß automatisch unschuldig ist.
Es ist eine merkwürdige Arroganz, anderen zu erklären, was ihnen fehlt. Besonders dann, wenn sie es selbst nicht so sehen.
Besonders dann, wenn dem Angebot der Hilfe keinerlei Nachfrage vorangegangen ist. Und ganz besonders dann, wenn man diese Hilfe der eigenen Bevölkerung zu geben nicht imstande ist. Es erinnert an eine übergriffige, toxische Beziehung. Die USA sagen: Du willst es doch auch. Eine dänische Influencerin, die sich online die Mühe machte, zwei solche Schiffe zu copy-pasten, mit dem einzigen Unterschied, dass nun „Mental Hospital“ auf beiden steht, hat eine Antwort darauf: „Dänemark wird zwei Psychiatrieschiffe schicken, um die amerikanische Regierung zu behandeln. You are welcome.“
Es wäre echt schön, wenn da eine heilende Behandlung möglich wäre. Ich fürchte aber, dass die allermeisten faschistoid eingefärbt und grausam sind, aber nicht krank. Wobei, da fällt mir wieder die Sache mit dem Wurm im Hirn ein. Vielleicht gibt es Hoffnung.
Titelbild: Miriam Moné


