Donnerstag, Februar 19, 2026

“Kurtz”, Dichand, Kaffeehaus: Epstein-Files und ihre Spuren nach Österreich

In den neuen Epstein-Files finden sich viele Bezüge zu Österreich, etwa zur türkis-blauen Regierungsspitze. 2012 sprach Epstein laut Mails zudem der Heute-Herausgeberin Eva Dichand eine Einladung auf seine Insel aus. Diese bestreitet ein derartiges Treffen.

Die Veröffentlichung von mehr als drei Millionen Seiten sogenannter Epstein-Files durch das Department of Justice sorgt seit Freitag nicht nur in den USA, sondern auch in Europa für Aufsehen. Wegen Verbindungen zu Jeffrey Epstein trat in den letzten Tagen etwa der britische Diplomat Peter Mandelson aus der Labour-Partei aus, um ihr “weitere Peinlichkeiten” zu ersparen. Am Montag nahm der sicherheitspolitische Berater des slowakischen Premiers Robert Fico, Miroslav Lajčák, seinen Hut. Auch ihm wurde seine Beziehung zum Sexualstraftäter zum Verhängnis.

Zu Österreich sind bislang keine direkten Verbindungen zu aktiven Politikern oder Amtsträgern bekannt geworden, eine Vielzahl bemerkenswerter Bezüge gibt es in dem Datenkonvolut aber in jedem Fall: ganze 996 Mal kommt allein das Wort “austria” in den Millionen von Seiten vor, bei “vienna” sind es sogar 1.676 Treffer. ZackZack liefert einen Überblick zu den neuesten Funden.

“Kurtz” und Strache

Politisch gesehen ist in den Unterlagen zu Österreich die türkis-blaue Regierung Thema. Schon in einer ersten Veröffentlichungswelle im November tauchte der Name Sebastian Kurz – teilweise auch als “Kurtz” geschrieben – in den Akten auf. Belege für ein Treffen zwischen Epstein und Kurz gibt es nicht (das hat dieser auch vehement bestritten) – allerdings wurde im Epstein-Umfeld sehr wohl ein mögliches Treffen von Kurz mit dem rechtsradikalen Ex-Trump-Berater Steve Bannon diskutiert.

Die entsprechenden Chats fanden laut Akten einerseits zwischen Bannon und dem norwegischen Diplomaten Terje Rød-Larsen statt, der als “Buddy” von “Kurtz” genannt wird; in einem weiteren Chat schrieb wiederum ein nicht namentlich genannter Bannon-Vertrauter mit dem Norweger, in dem Chat-Verlauf war Epstein offenbar Teilnehmer. An anderer Stelle äußert Bannon selbst “starkes Interesse”, Kurz zu treffen. Wie gesagt: eine Anbahnung oder gar ein Treffen zwischen Epstein und Kurz wird nicht erwähnt.

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Chat zwischen dem Norweger und einem Vertrauten Bannons.

Ein anderes File weist Epstein aber als “Sender” einer Nachricht aus, die offenbar an Bannon gerichtet war: “Kurz will dich treffen.” Was Epstein zu dieser Nachricht veranlasste, bleibt unklar. Letztlich meldet sich Anfang Juli 2018 wieder der norwegische Diplomat mit einer angeblich positiven Rückmeldung für ein Treffen mit Bannon: “Kurz antwortete. Er würde sich freuen, Steve zu sehen!”, heißt es an einen Kontaktmann des rechten Trump-Beraters.

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Ob es zu einem Treffen zwischen Kurz und Bannon kam, ist nicht belegt. Das Büro des Ex-Kanzlers ließ eine ZackZack-Anfrage unbeantwortet.

Gegenüber dem Standard äußerte sich ein Sprecher im November gereizt: “Dass Falschmeldungen und irreführende Zuspitzungen Klicks bringen, ist bekannt. Allein durch die Tatsache, dass in den Epstein Akten auch andere Regierungschefs wie Angela Merkel vorkommen, und das vom Standard verschwiegen wurde, bekommt die Geschichte eine ganz besondere Schlagseite und rückt Sebastian Kurz in ein falsches Licht und führt in Wahrheit auch die Leser in die Irre. Ob das allerdings Qualitätsjournalismus ist, darf wohl bezweifelt werden.”

Thema war die türkis-blaue Koalition im Epstein-Umfeld dann noch bei ihrem Ende, im Mai 2019. Da äußerte sich Bannon anlässlich von Medienberichten zur Ibiza-Affäre enttäuscht: “Big problem”, so der Trump-Vertraute und lobte den gefallenen Vizekanzler Heinz-Christian Strache: “Dieser Kerl war solide.”

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Eva Dichand auf Epsteins Insel eingeladen

Abseits der Politik fällt bei der Durchsicht der veröffentlichten Dokumente ein weiterer, prominenter Name aus Österreich auf: Eva Dichand, Herausgeberin der Zeitung Heute. Schon im November hat erstmals der Standard über die Nennung Dichands in der ersten Akten-Tranche berichtet. Thema war eine Einladung der Verlegerin zum Wiener Life Ball, die über Dritte bei Epstein landete. Dichand verneinte damals ein Treffen mit dem Milliardär, sie habe ihn namentlich überhaupt erst durch den bekannten Skandal” gekannt, zitierte sie das Medium.

Die nun veröffentlichen Dokumente zeigen Widersprüche. Aus veröffentlichten Mails geht hervor, dass Dichand mit Epstein im Oktober 2012 zumindest in direktem Mail-Kontakt stand und sich dabei über eine Pariser Kunstmesse FIAC austauschte. In einem Mail vom 16. Oktober schrieb sie an Epstein und einen weiteren Kontaktmann etwa: “So nice y came by“ (“so nett, dass ihr vorbeigekommen seid”), woraus man auf ein erfolgtes Treffen schließen könnte.

Wenige Tage später tauschte sie sich laut Mails mit Epstein über separate Urlaubspläne aus, Epstein sprach daraufhin eine Einladung auf seine private Insel aus: „Ich bin die nächsten drei Wochen auf meiner Insel in der Nähe von St. Thomas. Du und deine Begleitung seid herzlich willkommen, mich zu besuchen.“ Dass ein solches Angebot angenommen wurde geht aus den Dokumenten nicht hervor, Dichand bestreitet ein Treffen.

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Im Sommer 2013 suchte die Herausgeberin noch einmal den Kontakt zum Epstein-Umfeld, wie auch der Standard berichtet. “Can you send me Larry Epsteins Mail?(“Kannst du mir Larry Epsteins Mail schicken?”), schrieb sie dem Kontaktmann aus dem Vorjahr und nannte Epstein mit falschen Vornamen. Dessen Vertrauter meldete sich dann mit der Mail-Adresse von Jeffrey Epstein zurück und merkte an: „Ich glaube, ihr beide habt euch in der Vergangenheit E-Mails geschrieben – kurz nachdem Jeffrey und ich dich in Paris besucht haben.“ Ein weiterer Austausch ist nicht überliefert.

ZackZack übermittelte Eva Dichand eine Reihe von Fragen, etwa zu ihrer widersprüchlichen, medialen Äußerung im Vorjahr. Ihr Anwalt Michael Rami richtet aus: “Meine Mandantin kann sich an diese Korrespondenz beim besten Willen nicht erinnern. Ihre Erklärung dafür ist, dass sie offenbar Herrn Epstein vor etwa 15 Jahren anlässlich einer Kunstmesse oberflächlich kennengelernt und daraus die Ihnen vorliegende, ohnehin nur flüchtige E-Mail-Korrespondenz resultierte.” Die Heute-Herausgeberin sei “niemals auf Besuch bei Epstein oder umgekehrt” gewesen. Vorwürfe gegen Epstein seien ihr erst “Jahre später” bekannt geworden und würden auf “Zeitungswissen” beruhen.

2008 war Epstein in Florida erstmals als Sexualstraftäter verurteilt worden, entging jedoch durch einen skandalösen Deal mit der Staatsanwaltschaft einer drakonischen Strafe. Zwar berichteten Medien darüber, ein großer Aufschrei blieb zunächst aber aus, Epstein pflegte weiterhin gute Kontakte in elitäre Kreise.

Epstein besuchte 2019 Wiener Kaffeehaus

Die Anknüpfungspunkte Epsteins mit Wien und Österreich sind jedenfalls vielfältig. Schon länger bekannt ist, dass der Milliardär seit den 1980er Jahren über einen falschen, österreichischen Pass verfügte. Auch dazu gibt es in den veröffentlichten Akten interessante Spuren. So erkundigten sich österreichische Behörden bei US-Ermittlern, ob man zu dem Dokument Informationen erhalten könne. Passiert ist das im Juli 2019.

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Der ominöse, österreichische Pass.
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Erkundigungen aus den USA über Epsteins letzten Wien-Aufenthalt.

Wenige Monate zuvor war der Milliardär noch ein letztes Mal selbst nach Wien gereist, saß am frühen Abend des 22. März für ein paar Stunden im Cafe Landtmann, ehe er weiter nach Paris reiste. Getroffen hat er in Wien einen Mathematiker, soll zudem in Begleitung von drei weiblichen Personen gewesen sein, ihre Identität ist unklar.

Die Ermittler hatten den Milliardär damals schon im Auge: Im Juni 2019, wenige Tage vor seiner Verhaftung, übermittelten Österreichs Polizeibehörden Infos zum kurzen Kaffeehaus-Stopp an ihre US-Kollegen, am 6. Juli klickten für den Milliardär am Flughafen in New Jersey schließlich die Handschellen. Am 10. August wurde Jeffrey Epstein dann tot in seiner Zelle aufgefunden.


Titelbild: Kurz: ZackZack, Strache, HANS KLAUS TECHT / APA / picturedesk.com, Dichand, Images / APA / HANS PUNZ, Epstein, U.S Virgin Islands, Department of Justice

Autor

  • Thomas Hoisl

    Ist seit April 2024 bei ZackZack. Arbeitete zuvor u.a. für "profil". Widmet sich oft Sicherheitsthemen oder Korruptionsfällen.

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