Die Machtklüngel dieser Welt finden zwischen den Beinen minderjähriger Mädchen statt.
Sie ernähren sich von ihrem Leid. Wachsen an ihrem Ausgeliefertsein. Weiden sich an ihrer Abhängigkeit. Die Halbwüchsigen sind keine Menschen in den Augen dieser Macht. Sie sind Energieladestationen. An ihnen saugt man sich vampirisch satt. Alte Männer, die sich einen Schuss Jugend verpassen wollen. Was diese Mädchen haben, Jugend, Unschuld, Schönheit, Lebendigkeit, das soll ihnen genommen werden. Die Macht pulsiert zwischen Schenkeln und Brüsten. Viele der Machtträger haben selbst Töchter. Sie wissen ganz genau, was sie tun.
Es ist der ultimative Kapitalismus, die absolute Verwertbarkeit, die totale Verachtung. Die mit der Macht wähnen sich über jedem Gesetz. Die ohne Macht sollen sich zur Verfügung stellen. Ob sie wollen oder nicht. „Aber sie waren ja freiwillig dort,“ werden andere Machtlose einwerfen, die ein wenig der geilen Macht abkriegen wollen, wenigstens mit einer kleinen, surrealen Verbrüderung. Ein Kind, eine Minderjährige, kann niemals die Einwilligung zu ihrem Missbrauch geben. Aber das ist egal, diskreditiert die Opfer, hofiert die Täter! Ein Biss vom Kuchen nur. Einen Augenblick lang denken, man sei fast einer von denen. Die Diener des Vampirs. Sie werden nie in den goldenen Hallen tanzen, nie im sicheren Luxusbunker landen, nicht einmal ein Plätzchen am Katzentisch werden sie erhalten, aber es ist egal. Wenigstens die Solidarisierung mit dem Täter verbindet sie mit diesem. Und der Täter hat viele Gesichter und viele Namen und er ist ein Mann vieler Länder. Die Macht rinnt durch seine Geschlechtsteile und Hände und zierliche Mädchenkörper, hell sollen sie sein, alles andere wäre nicht nobel genug, goldenes Haar, goldene Käfige, goldenes Schweigegeld. Das Schweigegeld erhalten andere.
Die Epstein Files liefern genug Material, um die ganze Welt zu erschüttern.
Die Epstein Files liefern genug Material, um die ganze Welt zu erschüttern. Aber wie seltsam! Und so gut wie die gesamte Welt schweigt. Mal zu diesem Detail, mal zu jenem. Es soll kein ganzes Bild ergeben, nur unendlich viele Bruchstücke, flooding the zone mit Sex, würde der Epsteinfreund Bannon sagen, dabei ist es kein Sex, es ist sexueller Missbrauch, es ist Erpressung, Nötigung, Drohung. Machtgeilheit, Machtrausch. Neben den mächtigen Männern spielen allerdings auch Frauen eine betrübliche Rolle. Mächtige Frauen, die nichts dabei finden, sich den mächtigen Männern anzubiedern. Ihnen sogar verbrecherisch hilfreich zu sein, wie Ghislaine Maxwell. Oder mit ihnen zu schäkern, Boshaftigkeiten teilen, wie die Kronprinzessin Mette Marit. „Marry me!“ schmachten wie Sarah Ferguson. Einen luftigen Mailverkehr zu unterhalten, wie Eva Dichand. Sie tragen keine Schuld, die die mächtigen Männer tragen. Aber sie ignorieren sie und stabilisieren damit des mächtigen geilen Mannes Position.
Dennoch ist es nach wie vor so, dass nach allen Verbrechen, die mit den Epstein Files ans Licht der Welt kamen, es bis jetzt nur diese Konsequenz gegeben hat: Im Gefängnis sitzt eine Frau. Die mächtigen Männer feiern weiter.
Titelbild: Miriam Moné


