Mit der willkürlichen, ungesetzlichen Erschießung einer unbewaffneten, wehrlosen Frau, einer Staatsbürgerin der USA, ist allen klar geworden, was die Regierung Trump ist: ein verbrecherisches Regime, das die eigene Bevölkerung terrorisiert. Das haben nun auch die meisten Menschen verstanden – zumindest in den USA. Denn die westeuropäischen Regierungen ducken sich noch weg und ignorieren, was nicht zu ignorieren ist.
Es ist längst Bürgerkrieg in den USA, ein Krieg der Regierung Trump gegen das eigene Volk. Mit der Ermordung von Renee Nicole Good am 7. Januar 2026 hat die Regierung ihrem Volk gezeigt, dass sie Tötungen völlig willkürlich exekutiert. Renee Good war Staatsbürgerin der USA. Um Zuwanderung kann es also bei ihrer Ermordung nicht gegangen sein. Sie hat nichts Illegales getan. Um Kriminalität kann es also auch nicht gegangen sein. Sie war eine Mutter dreier amerikanischer Kinder und die Witwe eines Kriegsveteranen. Das ist keine Berechtigung, jemanden zu töten. Sie war unbewaffnet. Um Bedrohung oder Selbstverteidigung kann es also ebenfalls nicht gegangen sein.
ICE hat nicht mit Zuwanderung zu tun; denn, wer ein Zuwanderer ist, bestimmt die faschistische Regierung selbst. »Wer a Jud’ ist, bestimme ich«, sagte Karl Lueger. Bei den Nazis war es nicht anders. Und auch die Trump-Regierung bestimmt, wie man an Renee Good sieht, im Nachhinein, wer zu töten ist. Wer glaubt, sie oder ihn könne diese Gewalt nicht treffen irrt. Michelle Goldberg in der New York Times:
Keith Ellison, Generalstaatsanwalt von Minnesota, sagte mir, dass es sich seit der Verstärkung der ICE-Einsätze in Minneapolis so anfühle, „als würden wir von einer feindseligen paramilitärischen Gruppe überschwemmt, die unsere Nachbarn misshandelt, beleidigt und terrorisiert“. Die Einwohner von Minneapolis haben darauf reagiert: „Die Menschen haben ihre Trillerpfeifen und ihr kleines Alarmsystem, um andere zu warnen, wenn ICE in der Nachbarschaft ist. Sie protestieren und versuchen, ihre Nachbarn zu schützen.“
Viele dieser Menschen glaubten wahrscheinlich, dass die Bürger selbst in Trumps Amerika noch immer unverletzliche Freiheiten haben, die es ihnen erlauben, sich gegen die aufgeputschten Unruhestifter zu wehren, die in ihre Gemeinden eingedrungen sind. Die Bürgerrechte von Einwanderern wurden stark eingeschränkt; selbst Inhaber einer Green Card müssen damit rechnen, dass diese Regierung sie allein wegen ihrer Proteste festnehmen und abschieben kann. Aber die Amerikaner – insbesondere, seien wir ehrlich, die weißen Amerikaner – haben sich vielleicht für immun gegen die Übergriffe der Einwanderungsbehörde ICE gehalten.
“Wir töten, wen wir wollen”
Die gekauften Trump-Medien bezeichnen sie nun als »Liberale« und »selbsternannte Dichterin« oder »Demonstrantin«. Das berechtigt niemanden, dieser Person dreimal in den Kopf zu schießen und dann einen Arzt daran zu hindern, nach ihr zu sehen. Es gibt keinen Grund für einen solchen Mord. Wäre Demonstrieren eine Rechtfertigung für Mord hätten die, die das Capitol stürmten auf der Stelle erschossen werden müssen. Die Botschaft des US-Faschismus ist: Wir töten, wen wir wollen.
Sowohl Donald Trump als auch Kristi Noem und J. D. Vance haben in den Medien bei der Darstellung der Erschießung bewusst gelogen. Roque Planas in The Guardian:
Mehrere prominente Stimmen innerhalb der Trump-Regierung haben das Vorgehen des Agenten als Selbstverteidigung verteidigt, obwohl das FBI gerade erst mit der Untersuchung des Vorfalls begonnen hat. Trump behauptete in einem Interview mit der New York Times fälschlicherweise, Good habe ihn „überfahren“. Die Ministerin für innere Sicherheit, Kristi Noem, beschuldigte Good des „inländischen Terrorismus“. JD Vance schrieb auf X, dass Ross „sein Leben gegen einen gestörten Linken verteidigt habe, der versucht habe, ihn zu überfahren“.
Die Videorekonstruktion des Vorfalls durch die New York Times scheint jedoch darauf hinzudeuten, dass das Auto Ross nicht angefahren hat und dass Good eher versuchte, aus dem Bereich zu fliehen, als die Beamten zu überfahren. Die Schießerei wurde von mehreren Umstehenden gefilmt und zeigt, dass ICE-Beamte sich einem SUV näherten, den Good, eine 37-jährige Mutter von drei Kindern, offenbar mitten auf der Straße geparkt hatte. Die Beamten schienen sich ihr von Anfang an aggressiv zu nähern. Ein Beamter, dessen Gesicht verdeckt war, schrie „Steig aus dem verdammten Auto“ und riss wiederholt an der Fahrertür, um sie zu öffnen. Er streckte seine andere Hand durch das offene Fenster und versuchte offenbar, die Tür zu entriegeln.
Europas Appeasement
Die europäischen Konservativen und Rechtsparteien haben das immer noch nicht verstanden, weil sie es nicht verstehen wollen. Sie sind auf demselben Weg. Denn sie rüsten sich für dieselbe Vorgehensweise. Ständig verlangen sie mehr Waffen und Ausnahmebefugnisse für Behörden, angeblich aufgrund von »Krisen«, »Kriminalität« und »Zuwanderung«. Dabei schöpfen sie die Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen, nicht aus. Unter dem österreichischen Innenminister Nehammer hätte ein Terroranschlag in Wien verhindert werden können, wenn die Behörden ihre Arbeit gemacht und den Hinweisen des Geheimdiensts eines anderen Landes nachgegangen wären. Sie haben nichts getan. Nach dem Anschlag aber forderten sie mehr Befugnisse.
Erwartungsgemäß bleibt eine notwendige Reaktion der westeuropäischen Regierungen aus. Appeasement mit dem Faschismus ist ihre Linie, denn manche in ihren Reihen verlangen selbst nach rechtsfreien Räumen und verfassungswidrigen Zuständen und träumen oder reden schon von Paramilizen und exterritorialen Konzentrationslagern. Der österreichische Innenminister ist da nicht der Einzige. Die Menschen in den USA müssen den Widerstand selbst in die Hand nehmen. Denn wenn viele auf die Straße gehen, wird man sie alle nicht erschießen können.
Das Leben in den USA ist nur mehr in Angst möglich, wie eine Frau aus Minneapolis sagte. Rebecca Santana im Boston Globe:
Tausende Menschen demonstrierten am Samstag in Minneapolis gegen die tödlichen Schüsse eines Bundesbeamten auf eine Frau und gegen die Schüsse auf zwei Menschen in Portland, Oregon. Die Politiker von Minnesota forderten die Demonstranten auf, friedlich zu bleiben. Die Demonstration war eine von Hunderten, die am Wochenende in Städten im ganzen Land geplant waren. Sie fand in einer Stadt statt, die seit der Tötung von Renee Good am Mittwoch durch einen Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde in Aufruhr war.
„Wir leben derzeit alle in Angst“, sagte Meghan Moore, eine zweifache Mutter aus Minneapolis, die sich der Demonstration angeschlossen hatte. […] Steven Eubanks, 51, sagte, er habe sich aufgrund des „schrecklichen“ Mordes in Minneapolis gezwungen gefühlt, an einer Demonstration in Durham, North Carolina, teilzunehmen. „Wir können das nicht zulassen“, sagte Eubanks. „Wir müssen uns wehren.“
‘Indivisible’, eine soziale Bewegung, die sich zum Widerstand gegen die Trump-Regierung gebildet hat, gab bekannt, dass Hunderte von Protesten in Texas, Kansas, New Mexico, Ohio, Florida und anderen Bundesstaaten geplant seien.
Titelbild: Manon Véret


