2026 erscheint das vielleicht meist erwartete Videospiel aller Zeiten „GTA VI“. Immer wieder liest man von möglichen Milliardenverlusten für die Wirtschaft aufgrund von Krankenständen. Was steckt dahinter?
Die Bescherung ist geschlagen. Gaming zählt unter dem Christbaum zu den beliebtesten Geschenkkategorien. Während dieses Jahr Ableger wie Mario Kart World, Assassin’s Creed Shadows, EA Sports FC 25 und Battlefield 6 die stärksten Verkaufszahlen verbuchen können, wird 2026 mit der voraussichtlichen Veröffentlichung des laut Brancheninsidern meist ersehnten Videospiels aller Zeiten ein Meilenstein in der Videospielgeschichte gelegt.
Mit GTA VI bringt der US-amerikanische Publisher Rockstar Games, eine Tochterfirma des Spielepublishers Take-Two Interactive, nach mehr als 10 Jahren den Nachfolger eines der erfolgreichsten Videospiele aller Zeiten auf den Markt: GTA V. Dieser verkaufte sich über 215 Millionen Mal und brachte dem Entwickler somit rund 10 Milliarden US-Dollar Umsatz. Das GTA-Franchise ist allgemein eines der populärsten, aber aufgrund der provokanten und teils gewaltverherrlichenden Spielmechaniken auch kontroversesten Videospielableger in der Branche. Neben starker Gesellschaftskritik und einer satirischen Überzeichnung gewisser Realitäten stehen auch organisierte Kriminalität und Mafia-ähnliche Strukturen immer wieder im Fokus der Reihe.

Wirtschaftliche Wucht
Allein im Geschäftsjahr 2025 brachten Produkte des GTA-Franchise dem Entwicklerstudio rund 709,8 Millionen US-Dollar ein. Zudem begeistern sich täglich noch mehrere Hunderttausend Spieler für das mittlerweile über zehn Jahre alte Spiel. Der bereits mehrfach verschobene Nachfolger soll diese Zahlen laut Medienberichten sogar noch übertreffen. So soll GTA VI Schätzungen zufolge allein im ersten Jahr nach der Veröffentlichung rund 3,2 Milliarden US-Dollar einspielen.
Auch in Österreich erfreuen sich Videospiele großer Beliebtheit. Eine Studie des Anton-Proksch-Instituts zeigt in diesem Jahr, dass ein Drittel der Schüler in Österreich beinahe täglich digitale Spiele spielt. Auch wenn der nächste Ableger der GTA-Reihe – wie seine Vorgänger – vermutlich ab 18 Jahren freigegeben wird, ist es nicht weltfremd zu vermuten, dass auch ein Großteil der unter 18-jährigen Gamer es kaum erwarten kann, in das virtuelle Vice City einzutauchen, das dem realen Bundesstaat Florida nachempfunden ist.
Die Kehrseite der Medaille
Von so hohen Verkaufssummen profitiert zwar auch die Wirtschaft, jedoch gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Denn während die Umsätze für Rockstar Games steigen, stellt sich ein unerwünschter Nebeneffekt, der sich mittlerweile „GTA Flu“ oder „GTA Grippe“ nennt, ein. Diese „Grippewelle“ machte sich bereits im Jahr 2013 bei der Veröffentlichung von GTA V bemerkbar.
Medienberichten zufolge schossen Krankenstände in den Tagen um den Release des Spiels stark in die Höhe. Dieses Phänomen beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Videospielbranche, sondern scheint auch in der breiteren Unterhaltungsindustrie nicht unbekannt zu sein. Erstmals wirklich bemerkbar machte sich die „kulturelle Grippe“ bereits 1999 mit dem Kinostart eines der Star Wars-Filme, damals sprachen die Medien von einer „Star-Wars-Grippe“.

Was sich vielleicht nicht so dramatisch anhört, hat dennoch einen signifikanten Einfluss auf die Wirtschaft. So vermuten Experten laut Medienberichten allein in den USA Verluste von ungefähr 1 Milliarde US-Dollar an verlorener Produktivität, ausgelöst durch Abwesenheit vom Arbeitsplatz. Auch um den Release von GTA VI kursieren momentan immer wieder Gerüchte um mögliche Massenkrankenstände im Internet und in diversen Medien.
Die Österreich-Frage
Doch wie schaut die Lage in Österreich aus? Zahlen und Daten sind rar, dennoch stellt sich die Frage, ob es auch von österreichischen Experten und Brancheninsidern Prognosen zu dem Thema gibt.
Florian Emmerich, der Pressesprecher des österreichischen Computerspiel-Publishers THQ Nordic, spricht gegenüber ZackZack zwar durchaus von einem „großen Wirbel und Aufmerksamkeit“, die sogar über die Gaming-Branche hinausstrahlt, ist sich jedoch sicher, dass sich in Österreich keine großen wirtschaftlichen Auswirkungen feststellen lassen werden. In der eigenen Videospielbranche machen sich jedoch durchaus starke Auswirkungen bemerkbar. So wird das Veröffentlichungsdatum eigener Spiele so geplant, dass es dem Release von GTA VI ausweicht, da die eigenen Produkte sonst wohl kaum Aufmerksamkeit bekommen dürften.
Von Seiten der Wirtschaftskammer heißt es, dass man zu wenig Zahlen und Daten habe, um eine valide Einschätzung treffen zu können. Das Wirtschaftsministerium reagiert auf die Anfrage gar nicht. Auch hier dürften wohl keine Sorgen um die wirtschaftlichen Auswirkungen im Raum stehen.
GTA VI wird vor allem in den USA einen Einfluss auf Wirtschaft, Konsum und Kultur haben. Zwar wird man in Österreich auch Wind von diesem Giganten der Popkultur bekommen, jedoch dürften wirtschaftliche Auswirkungen wohl nicht zu erwarten sein. Auch unser Budgetloch dürfte, sicher zur Erleichterung von Finanzminister Marterbauer, nicht unter dem Release leiden.


