Gewalt gegen Frauen ist omnipräsent. Täter sind Autochthone und Zugezogene, Junge und Alte, Reiche und Arme. Alle diese Taten wurzeln in Verachtung, Frauenfeindlichkeit und auch im Lächerlichmachen von gemeldeten Vorfällen.
Es ist die nächste Frau tot. Erstochen von ihrem Partner, der weggewiesen worden ist. Das hinderte ihn nicht daran, die Tür einzutreten und sie zu ermorden. Solange Wegweisungen so zahnlos umgesetzt werden, wird immer noch jede Frau, die Hilfe gegen häusliche Gewalt sucht, weiter in Gefahr schweben, nachdem sie vermeintlich geschützt worden ist.
Was in so dramatischen Handlungen endet, beginnt allerdings schon wesentlich früher. Diese Gewalt trifft Autochthone und Zugezogene, Junge und Alte, Reiche und Arme. Und alle diese Taten wurzeln in Verachtung, Frauenfeindlichkeit und auch im Lächerlichmachen von gemeldeten Vorfällen. „Warum hat sie so lange geschwiegen?“, ist ein beliebter Vorwurf.
Jedes Opfer geht unterschiedlich mit dem Erlebten um, manche können erst nach Jahren darüber sprechen. Das ist sattsam bekannt, also erfüllt dieser Einwurf etwas anderes als eine harmlose Frage: Es unterminiert bewusst die Glaubwürdigkeit des Opfers. Zu beachten aber ist auch: Ein Täter, der Migrant ist, ist ein beliebter Täter. Da überschlagen sich einschlägig Empörte mit Solidarität Frauen gegenüber. Ist der Beschuldigte kein Mensch mit migrantischen Wurzeln, sondern ein populärer Promi, kann man in jedem Forum gut ablesen, wie ernst es den Rittern wider die Migranten mit Frauenschutz wirklich ist.
Aber es muss nicht sofort zu häuslicher Gewalt führen, wenn man Frauen mit öffentlichem Misstrauen und Verachtung entgegentritt. Es kann auch zu Gewalt durch Mobbing und Hetze kommen, die genauso schädigend und gefährdend sind, wenn auch nicht immer tödlich. Davor sind nicht einmal Opfer gefeit, die als Kinder entführt worden sind. Natascha Kampusch hat diese andere, die virtuelle, Gewalt nach der erlittenen konkreten Gewalt durch ihren Entführer erleben müssen, nachdem sie die immense Kraft hatte, sich selbst zu befreien und nicht darüber zu schweigen. Schweigen hätte sie sollen, um nicht belästigt zu werden, war oft in sozialen Medien zu lesen.
Frauen haben diese Angst, weil die Gesellschaft ihnen wiedergeholt gezeigt hat, dass sie sich nicht auf die Gesellschaft verlassen können.
Schweigende Frauen sind die bequemeren Frauen. Aber auch sie werden ermordet, wenn der Täter es möchte. Viele haben während ihrem Martyrium geschwiegen, um den Täter nicht zu reizen, aus Angst. Frauen haben diese Angst, weil die Gesellschaft ihnen wiedergeholt gezeigt hat, dass sie sich nicht auf die Gesellschaft verlassen können.
P.s. Der letzte Frauentag und all die Sprüche und Versprechen sind noch nicht lange her.
Titelbild: Miriam Moné


