Laut neuer Smartwatch-Daten soll Ex-Kanzler Sebastian Kurz mit Christian Pilnacek ein letztes, nur elfsekündiges Telefonat geführt haben. Im Buch von Gernot Rohrhofer sprach Kurz hingegen von einem Gespräch, das „wenige Minuten“ dauerte.
Vor der heutigen Fortsetzung des Pilnacek-U-Ausschusses ließ die Kronen Zeitung am Dienstag mit einer Neuigkeit aufhorchen: Ex-Kanzler Sebastian Kurz sei es gewesen, der mit Christian Pilnacek das letzte Telefonat am Abend des 19. Oktobers geführt hätte. Das Medium bezog sich dabei auf eine neue Smartwatch-Auswertung der Justiz.
Dort findet sich ein Eintrag mit der Handynummer des Ex-Kanzlers.

Der eingehende Anruf ist mit 20:55:39 Uhr datiert und dauerte nur elf Sekunden. Die Krone kommentiert das Telefonat offenbar mit Hintergrundinfos: “Das Gespräch dauerte nur elf Sekunden, weil Pilnacek schwer zu verstehen gewesen sein soll.” In der Anrufliste, die ZackZack ebenfalls einsehen konnte, sind nach dem Kurz-Anruf jedenfalls noch zwei Wählvorgänge an Karin Wurm angeführt. Es ist bekannt, dass diese Anrufe, kurz vor 23 Uhr, nicht abgehoben wurden; in der Auswertung sind sie aber mit einer fünf- beziehungsweise sechssekündigen “Dauer” vermerkt. Wahrscheinlich, dass damit also nur der Wählversuch gemeint ist.
Doch war der nur wenige Sekunden dauernde Anruf mit Kurz überhaupt die einzige Kommunikation zwischen dem Ex-Kanzler und dem suspendierten Justiz-Sektionschefs an dem Abend? Es sind Aussagen von Kurz selbst, die das zumindest in Frage stellen.
Elf Sekunden versus “wenige Minuten”
Im Pilnacek-Buch des früheren Presse-Redakteurs Gernot Rohrhofer wurde Sebastian Kurz konkret auf sein Gespräch mit Pilnacek am Abend des 19. Oktobers befragt. Kurz antwortete wie folgt: “Das Gespräch hat nur wenige Minuten gedauert, im Wesentlichen hat er mir alles Gute für meine Verhandlung am nächsten Tag gewünscht.”


Menschliches Zeitgefühl mag subjektiv sein, man würde aber meinen, dass zwischen wenigen Sekunden und wenigen Minuten doch ein gewichtiger Unterschied besteht. Kurz wurde die letzte Kommunikation mit Pilnacek jedenfalls recht rasch in Erinnerung gerufen – er berichtete am nächsten Tag selbst erstmals darüber: “Ich habe gestern Abend noch mit Pilnacek telefoniert“, hieß es am Rande seines Prozesses. Bei dieser Gelegenheit stellte Kurz auch als Erstes öffentlich einen Suizid in den Raum.
ZackZack hat dem Ex-Kanzler und nunmehrigen Unternehmer Mittwochfrüh die Frage gestellt, wie die beiden unterschiedlichen Zeitangaben erklärbar sein könnten und ob es neben dem 11-Sekunden-Telefonat weitere Kommunikation gab – etwa über Messenger-Dienste. Eine Antwort gab es am Mittwoch nicht.
Wird Kurz in den U-Ausschuss geladen?
Der Wirbel rund um die Smartwatch-Daten scheint jedenfalls um einen weiteren Widerspruch reicher. Am Dienstag hatte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker Zweifel an der Vollständigkeit der dem U-Ausschuss übermittelten Anrufliste geäußert. „Ich weiß mit absoluter Sicherheit, dass ein kurzer Anruf zwischen Christian Pilnacek und mir in der ungarischen Botschaft stattgefunden hat – es ging um einen simplen Nummernaustausch. Dieser Anruf müsste in den Daten aufscheinen, ist aber nirgends zu finden.” Gegenüber ZackZack betont Hafenecker zudem, dass der kurze Anruf nicht über Messenger-Dienst lief, dennoch scheine er nicht in der Liste auf, der Wählversuch an Karin Wurm aber sehr wohl.
Sebastian Kurz könnte wiederum als Auskunftsperson in den Pilnacek-U-Ausschuss geladen werden, zumindest ließ die Neos-Fraktionsführerin Sophie Wotschke mit diesen Plänen aufhorchen. Koalitionsintern sollen die Pinken mit dem Vorhaben aber mit der ÖVP aneinander geraten, berichteten die Salzburger Nachrichten.
Christopher Glanzl, HELMUT FOHRINGER / apa / picturedesk.com, ZackZack


