Die Zeiten der Stabilität sind vorbei. Diese alte Welt zersplittert vor unser aller Augen.
Das dünne Eis der Zivilisation, das die längste Zeit knackt und knarrt und Risse zeigt, ist also endgültig gebrochen. Es ist nicht, dass man nicht davor gewarnt hätte. Und nicht einmal jetzt, wo der Bruch geschehen ist, wird das Brechen als solches erkannt- oder gar anerkannt. Zwischen Zarenperformer Putin, der die Ukraine angreift und die alte Ordnung der UdSSR herstellen möchte, und Trump, der die alte Ordnung der USA nur zu gerne mit neuer Unordnung eines narzisstischen Irren, der sanft Richtung Demenz segelt, während er wahllos Attacken androht, eintauschen möchte, liegt Österreich. Wild umstritten.
Man möchte sich gar nicht ausmalen, wo wir uns jetzt befinden würden, wenn dieses Österreich genau jetzt von Kanzler Kickl und Vizekanzler Kurz durch die Weltgeschichte geschliffen würde. Wer an wen schneller ausverkaufen würde, und das zu einem Spottpreis, das wäre hier die Frage. Insofern kann sich Österreich, auch wenn definitiv nicht alles ideal läuft, über die derzeit bestehende Koalition freuen. Sie ist immer noch um Welten besser als das von Kurz und Kickl angepeilte Kakanien mit Thiel und Putin als Mitspieler.
Wieviele Menschen sterben Tag für Tag und Nacht für Nacht in der Ukraine? Egal. Man gewöhnt sich daran. Ist ja nicht hier, trifft ja niemanden, den man kennt.
Wieviele Menschen sind bei dem völkerrechtlich widrigen Angriff auf Venezuela gestorben? Egal. Man gewöhnt sich auch daran. Ist ja nicht hier, trifft ja niemanden, den man kennt.
Trump hat bereits Ansprüche auf Grönland hinausposaunt. Hier würde nicht mal mehr die Ausrede greifen, dass man einen bösen Diktator von der Macht entfernen würde.
Putin schielt seit geraumer Zeit auf die verlorenen Teile der UdSSR. Wenn die Ukraine fällt, werden es neue Ziele werden. Wie man seinen völkerrechtlich widrigen Angriff noch irgendwie entschuldigen kann, ist rätselhaft. Diese Verleugnung erinnert an jemanden, der mit zwei Beinen auf je einer Eisscholle steht und glaubt, immer noch auf dem dicksten, sichersten Eis der Zivilisation zu stehen. Die Zeiten der Stabilität sind vorbei. Diese alte Welt zersplittert vor unser aller Augen. Das neue Jahr, mit so viel Hoffnungen bei seinem Aufbruch begleitet, entpuppt sich bereits in der ersten Woche seiner Existenz als ziemliche Arschgeige.
Titelbild: Miriam Moné


