Donald Trump verliert gegen den Iran. Er hatte mehr Waffen, das Regime in Teheran mehr Verstand. Mit der ganzen Welt zahlen auch wir in Österreich drauf. Der Song Contest wird uns trösten.
Der Preis für Eier, so versichern mir nicht nur Osterhasen, wird von den 40 Cent gestern früh nur ein bisschen steigen. Für den Preis eines Liters Diesel bekommt man heute schon fünf Eier. Demnächst werden es mehr sein, bald vielleicht schon zehn.
Wer mit der Rückkehr stabiler Erdöl- und Erdgasmärkte rechnet, glaubt auch an den Osterhasen. Dabei ist der Osterhase vergleichsweise harmlos, weil die Gefahr, dass um Hasen und ihre Eier Kriege geführt werden, nach wie vor gering ist.
An den Osterhasen glauben Kinder. An die Zukunft der fossilen Wirtschaft glauben in der Mehrheit tankbare Dummköpfe und in der Minderheit jene, die damit ein letztes Mal global abkassieren. Einer von ihnen heißt Donald Trump, ein zweiter Wladimir Putin. Auf beiden Seiten wird in Riad, den Emiraten und Teheran mitgeschnitten.
Militärisch weit überlegen hat der Iran den Krieg dreifach gewonnen: als strategischer Sieger über die scheinbar größte Militärmacht der Welt; als Sieger über die Opposition im eigenen Land; und als Petro-Großmacht im sicheren Geschäft mit China.
Mit Trump verlieren die USA den Krieg gegen den Iran. Das zeichnet sich immer klarer ab und hat mehrere Gründe.
1. Waffen
Die USA haben die überlegenen Waffen, der Iran hat die gefährlicheren Ziele. US-Militärs können gezielt von Bunkern bis Raffinerien einzelne Objekte zerstören und Führungspersonal töten. Technisch sind sie dem Iran haushoch überlegen. Ihr spektakulärster Erfolg war die Ersetzung des alten durch den jüngeren Khamenei.
Mit weit unterlegenen Waffen greift der Iran mit der Straße von Hormuz einen ersten Nervenstrang der Weltwirtschaft an. Am 31. März meldete die New York Times, dass der Preis für Benzin in den USA in einem Monat um 35 Prozent gestiegen war. Die Preise für Düngemittel explodieren, zuerst in Asien und dann auch in den USA. Hier bei uns hat der Ölpreis die Inflation von 2,2 auf 3,1 Prozent hochgetrieben.
Immer mehr spricht dafür, dass die Weltwirtschaft früher einbrechen wird als die iranische Führung.
2. Bodentruppen
Politisch kann sich Trump keine Bodentruppen leisten. Jeder tote US-Soldat sind 100.000 Stimmen weniger bei der Midterm-Elections, die Trump im Herbst den Anfang seines Endes einläuten können.
Daher werden, wie der US-Investigativjournalist Ken Klippenstein dokumentiert, die USA mit Spezialeinheiten Ölinseln wie Charg in der Straße von Hormuz angreifen – und damit den iranischen Drohnen ideale Ziele liefern.
3. Führung
Der Führer der USA weiß nicht, was er tut. Die Führer des Irans wissen es genau.
Vor Trump leuchten und blinken Knöpfe in allen Farben. Trump drückt einmal auf den einen, dann auf den anderen. Dazwischen beschimpft er Regierungen und Staaten rund um die Welt in Großbuchstaben.
Donald Trump kann weder politisch noch militärisch führen. Jetzt bekämpft er statt des Irans die eigene militärische Führung und sorgt dafür, dass auch das Militär auf Hegseth-Niveau absinkt.
4. Opposition
Im Gegensatz zu den Regimes in Teheran und Moskau hat Trump eine politisch wiedererstarkte Opposition zu fürchten. Heute füllt sie die Straßen mit Millionen Menschen, morgen den Kongress mit Trump-feindlichen Abgeordneten.
Ihm bleibt nur ein Ausweg: die Behinderung oder Verhinderung der Wahlen im Herbst. Er weiß, dass ihm am Ende nicht nur der Verlust der Präsidentschaft, sondern der wohlverdiente Gang ins Gefängnis droht. Daher wird er bis zum Letzten gehen.
5. Partner
Der wichtigste Partner der USA ist Israel, für den Iran sind es die Huthi-Rebellen. Solange Trump Krieg führt, kann er sich auf Netanjahu verlassen, aus einem einfachen Grund: Auch für den israelischen Regierungschef ging es von Anfang an um den eigenen Kopf. Selbst wegen seiner kriminellen Vergangenheit vor Gericht stehen oder die Gerichtsbarkeit durch eine Politik des Dauerkriegs lahmlegen – diese Entscheidung ist Netanjahu leichtgefallen.
Netanjahu hat Trump in einen Krieg getrieben, dem der US-Präsident strategisch nicht gewachsen war. Beide machen weiter, weil es für sie persönlich keinen Weg zurück gibt.
6. Europa
Trump verliert Europa. Spanien mit seiner Sanchez-Regierung war zuerst ein Ausreißer. Inzwischen haben sich Italiens Meloni und Frankreichs Le Pen gegen die USA gestellt. Ihr Ziel, mit Trump und Putin eine autoritäre Internationale zu gründen und vom Ural bis zur US-Westküste Staat für Staat die Macht zu übernehmen, ist vorläufig geplatzt.
Jetzt marschiert die Rechte wieder getrennt. Damit steigen die Chancen, sie von Paris bis Wien einzeln zu schlagen.
7. Fossiler Endkampf
Das Erdölzeitalter ist mit dem Überfall auf den Iran in seine letzte, kriegerische Phase eingetreten. Trumps Konzerne haben sich Venezuela gesichert. „Regimewechsel“ heißt für sie von Caracas bis Teheran, dass sie noch einmal ins Geschäft kommen. Mehr haben sie nicht mehr vor.
Fast unbemerkt hat der Klimawandel gerade seinen Point of no Return überschritten. Trump, Putin, Netanjahu, Erdogan und Orbán ist das egal. Sie sehen nur den Punkt, an dem es für sie selbst kein Zurück mehr gibt. Sie werden bis zu ihrem Untergang kämpfen, wahrscheinlich immer öfter mit militärischen Mitteln.
8. Österreich lustig
Ja, und da gibt es noch die österreichische Bundesregierung. Sie macht das weiter, was angesichts drohender ökologischer und militärischer Katastrophen vierzig Jahre lang ihre Vorgängerinnen getan haben: nichts. Einer von Stockers Vorgängern hat „Klima“ geheißen. Das ist das Lustigste, was über vier Jahrzehnte verpasster Chancen zu berichten ist.
Statt Energiewende schafft Österreich einen Song Contest. Der Gesangswettbewerb wird tapfer versuchen, mit „Too epic to be true“ (Estland), „Mother Nature“ (Luxemburg) und „My System“ (Schweden) Völker wieder zu verbinden. Österreich gibt mit „Tanzschein“ einen Hinweis, wie das gehen könnte. Reales politisches Umsetzungspotential ist derzeit nur bei „Viva Moldovia!“ (Moldavien) auszumachen. Polen gibt den einzigen ernsthaften Rat: „Pray!“ Armenien tröstet uns mit „Paloma Rumba“.
Wenn alle Teilnehmerstaaten ihre 12 Punkte und alle Regierungen die Chance auf eine Energiewende vergeben haben, geht es wieder ums Geld. Österreichische Konsumentinnen und Konsumenten werden noch einmal den Preis für etwas zahlen, an dem sie nur eine Mitschuld haben: dass sie verlässlich fossile Parteien gewählt haben.
Ich wünsche allen Chefinspektoren und Staatsanwältinnen, allen Freunden und eher nicht-Freunden aus allen Parteien, aber vor allem den Menschen in der Ukraine, im Iran, im Libanon, in Palästina und in Israel frohe Ostern! Und uns allen eine Zukunft ohne politische Gangster und Schlafregierungen, mit Batterien, Windrädern, viel Bahn und wenig Auto und einem Klima, das zumindest erträglich bleibt – beim Wetter und in der Politik.


