Dass es ZackZack gibt, hat viel mit Alfred Noll zu tun. Wie das war, das möchte ich als Erinnerung an ihn hier erzählen.
Viele Jahre hatte mich Alfred Noll bereits als Anwalt gut vertreten. Im Frühjahr 2017 wunderten wir uns, wie leichtfertig meine Grünen das Land der FPÖ überließen, nur um im Niemandsland der politischen Korrektheit alte Fahnen hochzuhalten.
Von der SPÖ erwarteten wir uns schon lange nichts mehr, sie hatte bereits den Punkt, an dem die Hoffnung als Letzte stirbt, hinter sich gelassen.
Erste Weichen
Ich wusste, dass bei den Grünen für die Nationalratswahl 2017 gerade erste Weichen in Richtung ÖVP gestellt wurden. Der Deal, Richard Grasl statt Alexander Wrabetz an die Spitze des ORF zu hieven, war bereits paktiert. Am Bundeskongress in Linz war klar, dass Abgeordnete wie Gabi Moser, Bruno Rossmann und ich im Weg standen. Wir wurden alle abgewählt.
Nach Linz waren wir überzeugt, dass es etwas Neues geben müsste: ein Gegengewicht zur Kurz-Herrschaft der ÖVP und einen Versuch, mit Umverteilung von oben nach unten und mit einer vernünftigen Ausländerpolitik der FPÖ Menschen abspenstig zu machen. Wir wollten zeigen, dass eine offene linke Alternative den drohenden Rechtsblock von Kurz und Strache verhindern könnte.
Am Wahlabend hatten wir mit dem Einzug ins Parlament nur unser kleineres Ziel geschafft. Kurz und Strache übernahmen die Macht und zeigten, wozu sie fähig waren. Wir hielten dagegen, acht Abgeordnete, die in wenigen Wochen keine der Hausaufgaben einer Parteigründung erledigen konnten.
Die besten Abgeordneten
Unsere Abgeordneten gehörten zu den Besten, und Alfred Noll erwarb sich nicht nur als Redner einen besonderen Platz. Peter Kolba war die erste laute Stimme für Konsumentinnen. Daniela Holzinger zeigte als Sozialpolitikerin ihren Sozis, dass man nicht nur für etwas stehen, sondern auch kämpfen konnte. Bruno Rossmann zeigte unermüdlich, was man mit dem Budget Gutes tun könnte. Wolfgang Zinggl stellte sich einer kulturlosen Regierung immer wieder in den Weg. Alma Zadić kontrollierte im Untersuchungsausschuss und wollte schon damals als Einzige nichts Schlechtes über Kurz sagen. Und Maria Stern zwang die anderen Parteien, Frauen, die mit ihren Kindern in Armut geraten waren, nicht im Stich zu lassen.
Ein Graus
Im Parlament war Alfred Noll ein Solitär. Ein Abgeordneter, davon war er überzeugt, sollte völlig frei sein, nur seinem Gewissen verpflichtet. Nolls Reden waren immer beachtlich und manchmal großartig, seine Arbeit im Justizausschuss vorbildlich. Gemeinsam mit uns allen zeigte Noll, was ein Einzelner im Parlament vermochte.
Weiter wollte er nicht gehen. Die Partei, die wir ebenso brauchten wie die politische Führung des Parlamentsklubs, war ihm ein Graus, und führen ließ er sich nicht. Es musste alles ausdiskutiert werden, und wenn er anderer Meinung war, machte er uns schnell klar, dass er lieber ein wilder als ein folgsamer Abgeordneter wäre.
Ich weiß nicht, wie es ausgegangen wäre, wenn Strache und Gudenus auf Ibiza den Mund gehalten und wir damit die vollen fünf Jahre im Nationalrat gehabt hätten. Hätten wir aus einem losen Klub ein haltbares politisches Projekt geschaffen? Hätten wir uns einen festen Platz direkt gegenüber der FPÖ erkämpft?
Die zwei Jahre waren zu kurz. Nach der Wahl im Oktober 2019 waren die Grünen wieder drin und wir endgültig draußen. Der politische Platz gegenüber der FPÖ ist nach wie vor unbesetzt. Herbert Kickl hat keinen Gegner, der ihm die Unzufriedenen abspenstig macht.
Streitbar
Alfred Noll war ein streitbarer Mensch, davon kann ich einige Lieder singen. Wer heute wissen will, wie bedeutend er war, muss nur ein paar Stunden im Parlament verbringen.
Vielleicht ist es noch niemandem aufgefallen: Es gibt keine großen Reden mehr, weil es keine großen Debatten mehr gibt. Die Abgeordneten stellen sich ans Rednerpult, schauen einen Rang höher auf die Kameras, mit denen die Clips für Instagram aufgezeichnet werden, und sondern den Text für den Clip ab. Nur die Erstredner bemühen sich für die ZiB etwas mehr.
Der Streit im Plenum war das Herz des lebendigen Parlaments. Er ist nicht ausgestorben, weil man nicht mehr reden darf, sondern weil es die großen Redner nicht mehr gibt: Abgeordnete wie Heinrich Neisser und Alfred Noll.
Nach dem Ausscheiden aus dem Parlament blieben 1,2 Millionen Euro in der Akademie unserer Liste. Wir haben sie zum Ärger einer Partei gut investiert, in ZackZack.
Da war Alfred Noll nicht mehr dabei. Aber ohne Noll und die Liste Pilz, die er ermöglicht hat, würde es auch ZackZack nicht geben. Daran wollte ich erinnern.
Restkarten
Wer dabei sein will, wenn das zweite Pilnacek-Buch am Dienstag Abend in der Wiener Kulisse – bevor es auch verboten wird – vorgestellt wird, bekommt hier vielleicht noch Restkarten. Das Pilnacek-Buch, das einen Untersuchungsausschuss zur Folge hatte, konnte ja auch nur veröffentlicht und verboten werden, weil es unsere Liste und damit ZackZack gegeben hat.
Ich freue mich, wenn wir uns übermorgen in der Kulisse sehen.


