Mittwoch, März 18, 2026

Fellner-Radio will Steuergeld für Schlagermusik pur

Schlager von Morgens bis Abends soll es zukünftig beim Radiosender von Fellners oe24 spielen. ZackZack liegt der entsprechende Antrag vor. Der Sender wird 2026 mit über 200.000 Euro gefördert.

Für das Jahr 2026 erhält das Fellner-Radio rund 205.000 Euro aus dem Privatrundfunkfonds, den die Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH (kurz RTR) verwaltet. Jetzt will sich die oe24 Radio GmbH neu aufstellen. Die Mittel sollen künftig für einen reinen Schlagersender verwendet werden, der im ganzen Land empfangbar ist.

Insgesamt entscheidet die RTR über die richtlinienkonforme Förderung von rund 25 Millionen Euro für den Privatrundfunk, zu dem Radio wie Fernsehen gehören.

Steuergeld für Schlagermusik?

„Mit diesem Schlagerformat wird ein Musikgenre angesprochen, dass [sic!] in der österreichischen Radiolandschaft noch völlig unterrepräsentiert ist“, heißt es in dem Ansuchen an die KommAustria, die über die Neuausrichtung zum Schlagersender erst entscheiden muss. Schließlich hat die TNR GmbH, eine Tochterfirma der oe24 Radio GmbH, eine bundesweite Radiolizenz inne, die von der KommAustria andere Programminhalte genehmigen ließ. Derzeit sendet das oe24 Radio ähnlich wie Kronehit und Ö3 vor allem gängige Popmusik und kurze Newsformate.

Die Fellner-Gruppe will die Vielfalt des österreichischen Radioprogramms mit ihrem Fokus auf Schlagermusik erhöhen. Neben der Schlagermusik soll es kurze Infosendungen wie Wetterberichte und „Weltnachrichten“ geben, die entweder von oe24 Radio GmbH selbst produziert oder extern zugekauft werden, heißt es in dem ZackZack vorliegenden Antragsschreiben.

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Geplantes Programm des zukünftigen oe24 Radios. Quelle: Antrag an die KommAustria

Das Programm-Schema ist ausgeklügelt. Während es zuerst nur „Schlagermusik“ und dann „Schlager am Morgen“ und „Schlager am Vormittag“ sowie „Schlager zu Mittag“ und „Schlager am Nachmittag“ gibt, können sich die Hörer am Wochenende auf die davon abweichenden Programmpunkte „Schlager am Samstag“ und „Schlager am Sonntag“ freuen. Auch am Wochenende darf der Programmpunkt „Schlagermusik“ dabei aber nicht fehlen.

Konzentrieren will man sich beim zukünftigen Programm auf „Deutsche Schlager“, wobei rund 30 Prozent davon aus Österreich kommen sollen. Daneben wird es romanische und englische Schlager spielen, gespickt mit ein paar „Oldies“.

Im Jahr 2024 arbeiteten laut Jahresabschluss der oe24 Radio GmbH 13 Mitarbeiter beim Sender. Es wurde ein leichter Bilanzgewinn verbucht. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf über 9,5 Millionen Euro. Für das Jahr 2025 liegt noch kein Jahresabschluss vor.

Weniger Förderung als im Jahr 2025

Die Neuausrichtung folgt auf eine Ablehnung der Förderung zweier Programmpunkte, für die die oe24 Radio GmbH im Vorjahr noch Geld erhalten hatte. Für die „Gute Laune Show“ und „oe24 am Nachmittag“ gab es im Jahr 2025 noch 105.000 Euro Steuergeld – dieses mal verweigerte die RTR dem Fellner-Radio dafür die Förderung.

Ziel der Privatrundfunkförderung soll unter anderem die „Belebung der kreativen Szene in Österreich“ und die „Förderung des demokratischen Verständnisses, der gesellschaftlichen und politischen Information und Bildung sowie der Medienkompetenz als Grundlage zum Verständnis demokratischer Meinungsbildungsprozesse“ sein. Warum die zwei Programmpunkte dieses Jahr nicht gefördert wurden, bleibt unklar. Insgesamt erhält das Fellner-Radio dadurch um rund 60.000 Euro weniger Förderung als im Vorjahr.

Über die Umstellung auf ein Schlagerradio entscheidet die KommAustria spätestens bis Sommer. Noch haben die Mitbewerber am Radiomarkt die Möglichkeit zur Stellungnahme.

Stellungnahmen von RTR und Medienministerium

Der Mediensprecher der RTR, Andreas Kunigk, erklärt auf ZackZack-Anfrage, dass für das Jahr 2025 mehr Fördermittel als sonst zur Verfügung gestanden hätten. Deshalb wurden ingesamt mehr Projekte gefördert. Das Jahr „2026 bedeutete eine Rückkehr zur budgetären Normalität. Wenn die Mittel des Fonds überzeichnet sind, entscheiden wir gemeinsam mit dem Fachbeirat zugunsten solcher Projekte der jeweiligen Förderwerber:innen, die die Kriterien der Richtlinien bestmöglich erfüllen und geben dafür eine möglichst hohe, richtlinienkonforme Förderzusage“. Für die oe24 Radio GmbH seien das dieses Jahr nur zwei von vier Projekten gewesen.

Aus Andreas Bablers Medienministerium heißt es auf ZackZack-Anfrage: „Vizekanzler und Medienminister Babler hat eine Studie in Auftrag gegeben, um die Medienförderung in Österreich zu analysieren und in Hinblick auf Qualität, Treffsicherheit, Zukunftsfähigkeit und Medienvielfalt weiterzuentwickeln. So sieht es auch das Regierungsprogramm vor. Die Studie wird im April vorliegen und die Grundlage für diesen Prozess sein.“ Boulevard-Medien wie die Krone, OE24 und heute machen seit Monaten gegen den geplanten Umbau, der Qualitätsmedien entschieden bevorzugen soll, mobil – Negativartikel über Babler sind seither an der Tagesordnung.

Am Dienstag äußerte sich die Doppelspitze des Verbandes Österreichischer Privatsender, Christian Stögmüller und Corinna Drumm, zum Förderwesen und der aktuellen Medienpolitik. Ihnen zufolge müssten heimische Medien viel stärker kooperieren und dabei nicht durch bürokratische Hürden eingeschränkt werden. Das Ministerium gibt ihnen weitgehend recht: „Drumm und Stögmüller haben jedenfalls treffend analysiert, dass die Herausforderung der österreichischen Medienlandschaft nicht mehr ein gegenseitiges Konkurrenzdenken sein darf, sondern das gemeinsame Vorgehen, um im immer stärker durch Tech-Plattformen beeinflussten Markt bestehen zu können.“


Titelbild: APA-Images / APA / HANS KLAUS TECHT, Canva

Autor

  • Daniel Pilz

    Redakteur. Studierte Philosophie an der Uni Wien. Schwerpunkte liegen in der Innen- und Europapolitik, sowie im Konsumentenschutz.

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