Freitag, April 10, 2026

Die Kickl-FPÖ schweigt zu ihrem “Friedensstifter” Trump

Von Frankreich bis Deutschland wendet sich sogar Europas Rechte von Donald Trump ab. Nur von der FPÖ und ihrem Chef Herbert Kickl ist bislang kein kritisches Wort zum “Friedensstifter” im Weißen Haus zu hören.

Vor knapp drei Wochen gab FPÖ-Chef Herbert Kickl dem FPÖ-eigenen Radiosender Austria First wieder einmal ein “exklusives Interview.” Am Programm stand das Thema Irankrieg und die Frage: “Droht eine neue Völkerwanderung?” In fünfzehn Minuten erfuhren die Hörerinnen und Hörer zwar von der über zehn Jahre zurückliegenden Flüchtlingssituation und Kickls Kurzzeitrolle im Innenministerium, die ebenfalls sieben Jahre her ist. Nur ein gewisses Wort nahm weder der FPÖ-Chef noch sein Interviewer – FPÖ-Klubgeschäftsführer Alexander Höferl – in dem aktuellen Beitrag zum Irankrieg in den Mund: Trump.

Schon bei der US-Intervention in Venezuela taten sich die Freiheitlichen mit einer Analyse der Geschehnisse schwer, die Partei fiel durch Schweigen auf und erwähnte etwa das Völkerrecht mit keiner Silbe. Nun, wo die Trump-Regierung einen Krieg vom Zaun bricht, der möglicherweise eine Flüchtlingskrise verursacht, ganz sicher aber Auswirkungen auf die Energiepreise haben wird, ist der blaue Eiertanz um das “T-Wort” umso auffälliger. Der Grund liegt wohl darin, dass die FPÖ-Spitze über Jahren nur mit Schwärmerien für den US-Präsidenten auffiel, wie ein Blick ins Archiv zeigt.

“Frieden statt Krieg, das gefällt mir gut”

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde Kickl vom rechten Schweizer Medium Weltwoche befragt, das gesamte Interview findet sich im Parteikanal FPÖ-TV. Der FPÖ-Chef dort über die Trump-Regierung: “Ich beobachte das mit großem Interesse, weil das was Trump hier macht, vom inhaltlichen her, würde ich zusammenfassen als Renormalisierung oder Redemokratisierung. Weil wenn man mich fragt: Frieden statt Krieg, das gefällt mir sehr gut.”

Kickls direktes Umfeld zeigt sich vom US-Präsidenten mindestens so begeistert. Eine FPÖ-Delegation jettete bereits 2016 zu Trumps Wahlfeier, EU-Langzeitabgeordneter Harald Vilimsky reiste in den vergangenen Jahren mehrmals zu Gala-Dinners der Republikaner. Eine “Zielorientierung Richtung Frieden” erhoffte sich Vilimsky vor Trumps Wiederwahl, wie der Standard ihn 2024 zitierte. Als es dann soweit war, war FPÖ-Abgeordnete Susanne Fürst an der Reihe, um an den Feierlichkeiten in Washington persönlich teilzunehmen.

In einem Videoclip, unterlegt mit pathetischer Musik, gab sich die freiheitliche Außenpolitik-Sprecherin danach sicher: “Er wird international deeskalieren. Er möchte als Peacemaker, als Friedensstifter, in die Geschichte eingehen.”

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Nach den Angriffen der USA auf den Iran meldete sich Susanne Fürst zuletzt Ende Februar per knapper Aussendung zu Wort. Sie zeige sich “tief besorgt über die aktuellen Entwicklungen” und hoffte auf “Deeskalation und Verhinderung eines Flächenbrands.” Wie es zu den Entwicklungen überhaupt kam und was der US-Präsident alias “deeskalierende Friedenstifter” damit zu tun hatte, blieb bei Fürst völlig unerwähnt.

Ein Muster ist erkennbar: Der Krieg im Nahen Osten und damit verbundene Probleme scheinen schlicht vom Himmel gefallen zu sein – notfalls waren aber vielleicht die EU oder die regierende “Einheitspartei” Schuld.

Europas Rechte geht auf Distanz zu Trump

Unterdessen zeigen sich sogar Europas Rechte zunehmend kritisch gegenüber Trump. „Seine Kriegsziele sind unberechenbar. Versteht denn irgendjemand das eigentliche Ziel dieses Krieges? Was will Donald Trump erreichen? Ich glaube, in Wirklichkeit weiß es niemand”, wurde Marine Le Pen zuletzt von der französischen Tageszeitung Le Figaro zitiert. Sie machte den Präsidenten für steigende Energiepreise verantwortlich. Schon bei der US-Intervention in Venezuela äußerte sich die führende Rechtspolitikerin, deren Partei “Rassemblement National” mit der FPÖ im EU-Parlament in einer Fraktion sitzt, kritisch in Bezug auf Völkerrechtsbrüche.

Überraschend war auch ein deutlicher Meinungsschwenk bei der deutschen AfD, die der FPÖ besonders nahe steht, zu beobachten. Während es rund um den Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla stets eine wohlwollende Haltung Richtung Russland gab und Chefin Alice Weidel Sympathien für Trump bekundete, änderte diese nun deutlich ihre Haltung: Das US-Vorgehen gegen den Iran sei “konzeptlos”, eine Bitte an die Nato-Staaten, zu helfen, kommentierte sie laut T-Online mit: “Das hätte man sich mal vorher überlegen sollen.” Nur vom FPÖ- und Trump-Freund Viktor Orbán hört man bislang ebenfalls nichts kritisches – man hofft dort noch auf Schützenhilfe in Person von J.D. Vance für die Wahl in wenigen Tagen. Laut Umfragen sieht es für Orban schlecht aus, er könnte in die Oppositionsrolle wechseln, wo auch die FPÖ ihr Dasein fristet.


Titelbild: APA-Images / SZ-Photo / Wolfgang Filser (‘Benzintafel’), Christopher Glanzl (Kickl), APA-Images / AFP / KEN CEDENO (Trump), APA-Images / AFP / UGC (Teheran in Flammen)

Autor

  • Thomas Hoisl

    Ist seit April 2024 bei ZackZack. Arbeitete zuvor u.a. für "profil". Widmet sich oft Sicherheitsthemen oder Korruptions-Causen.

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