Der gefährlichste Raum für Frauen ist nicht der öffentliche. Es ist ihr privates Umfeld. Die Gewalt aus dem Inneren der Beziehung maskiert sich. Man erwartet sie nicht von jemandem, der geliebt wird, und gerade deshalb schwer zu durchschauen ist.
Gewaltfantasien von Männern gegen die eigene Partnerin sind ein Thema, das selten offen angesprochen wird, und doch existieren sie. Sie sind oft still, verborgen, im Inneren, manchmal verdrängt, manchmal bewusst. Nicht jede Fantasie wird zur Handlung, und dennoch haben diese Gedanken Bedeutung. Sie sind ein Spiegel dessen, wie Macht, Kontrolle und Nähe in Beziehungen miteinander verwoben sein können. Und sie zeigen auf, wie kulturelle, gesellschaftliche und persönliche Strukturen solche inneren Bilder nähren.
Diese Fantasien entstehen nicht aus dem Nichts. Sie speisen sich aus gesellschaftlicher Toleranz für männliche Aggression, patriarchalen Normen und Vorstellungen von Besitz und Kontrolle in Beziehungen. Wer diese Gedanken entwickelt, handelt nicht automatisch gewalttätig – aber das Vorhandensein solcher Fantasien offenbart eine Dynamik, die gefährlich werden kann, wenn sie nicht reflektiert, kritisiert oder bewusst kontrolliert wird. Nähe, die eigentlich Schutz, Vertrauen und Intimität bedeuten sollte, kann so zu einem Raum werden, in dem ausschließlich Machtphantasien wirken. Unsichtbar, unausgesprochen, aber spürbar in kleinen Handlungen, Spannungen, unausgesprochenen Erwartungen.
Der gefährlichste Raum für Frauen ist nicht der öffentliche. Es ist ihr privates Umfeld. Die Gewalt aus dem Inneren der Beziehung maskiert sich. Man erwartet sie nicht von jemandem, der geliebt wird, und gerade deshalb schwer zu durchschauen ist. Viele reagieren auf diese Gedanken mit Abwehr: „Das sind Einzelfälle“, „so sind nicht alle“, „das ist nur Fantasie“. Solche Reflexe beruhigen kurzfristig, verbergen aber, dass diese Fantasien Symptom sind, eines, das zu oft die Grenze zur Realität quert.
Ein Blick in diverse Foren zum Fall Fernandez zeigt übrigens eine erschreckende Dynamik der Schuldumkehr und der Abwertung des Opfers.
Der Fall Pelicot läutet die Erkenntnis ein, dass sich zu viele Männer online über Gewalt und Missbrauch an ihren Partnerinnen austauschen. Der Fall Fernandez zeigt ein etwas anderes Geschehen, das aber ebenso verstörend ist. Es ist die bewusste Sabotage aus der vertrauten Nähe heraus, eine Erniedrigung von unabhängigen Frauen, eine Gefährdung, und alle diese Sabotage, Erniedrigung und Gefährdung verleiht dem Täter, der ja davon ausgeht, sein vertrauensvolles, ihm ausgeliefertes Opfer wüsste nichts, zu einer inneren Befriedigung seines Sadismus, seiner Unsicherheit, seiner Misogynie.
Fast drängt sich der Eindruck auf, dass junge Frauen viel über ihre Grenzen und ihren Wert wissen und sich nicht mehr so leicht unterwerfen lassen, was bei den entsprechenden Tätern zu noch mehr kriminellen Gegendruck führt. Unsere Gesetzgebung ist aber gleichzeitig noch nicht zeitgemäß, nicht up-to-date, sexueller virtueller Missbrauch braucht eigene Gesetze und eigenen Kontext, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Ein Blick in diverse Foren zum Fall Fernandez zeigt übrigens eine erschreckende Dynamik der Schuldumkehr und der Abwertung des Opfers. Einer der verstörendsten Vorwürfe (von Frauen und von Männern): Warum sie das alles öffentlich gemacht hat, wo sie doch Kinder mit dem mutmaßlichen Täter hat! Was fehlt uns als Gesellschaft, wenn nicht als allererstes dieser Gedanke einfällt: Warum hat der mutmaßliche Täter das den Kindern und der Mutter seiner Kinder angetan? Es gibt noch verdammt viel zu tun.
Titelbild: Miriam Moné / ZackZack


