Ehemalige Mitarbeiter und die Arbeiterkammer Salzburg schildern gravierende Verfehlungen bei der Bäckerei Essl in Salzburg. Die Inhaberin streitet die Vorwürfe ab.
Sie ist eine der bekanntesten Bäckereien in der Stadt Salzburg: die Hand- und Feinbäckerei Alois Essl, die seit Generationen in Familienhand ist. Seit 1904 haben sich die Salzburgerinnen und Salzburger das handgemachte Gebäck der einst unter dem Namen Haas bekannten Bäckerei schmecken lassen. Doch Insiderinformationen, die ZackZack vorliegen, hinterlassen einen bitteren Beigeschmack.
Die Essl GmbH wird derzeit von Stefanie Essl geführt, obwohl am Papier immer noch ihr Vater Alois Essl Geschäftsführer ist. Für sie sind die Enthüllungen besonders unangenehm. Denn die junge Unternehmerin ist am 8. März 2023 zur Obfrau des Wirtschaftsbundes Salzburg gewählt worden, einer Teilorganisation der ÖVP. In dieser Rolle ist man traditionell um eine Vorbildfunktion in der Unternehmerschaft bemüht. ZackZack-Enthüllungen zeigen, dass das Image als Vorzeigeunternehmerin bröckelt.
Keine Unterlagen, zu wenig Geld
Wie ehemalige Mitarbeiter ZackZack gegenüber berichteten, gab es häufig Verzögerungen oder Ausfälle bei der Bezahlung. Weil Beschwerden und Fristsetzungen in den meisten Fällen nichts halfen, wandten sich einige Mitarbeiter an die Arbeiterkammer Salzburg. Diese spricht von einer „systematischen Vorgehensweise“ der Bäckerei und bestätigt gegenüber ZackZack: „Wir haben pro Jahr zwischen 20 und 30 Fälle. Auch 2026 haben wir schon wieder 2 Fälle und das Jahr hat gerade erst begonnen.“ Ein ehemaliger Mitarbeiter erzählt ZackZack: „Ich habe nie eine Abrechnung oder einen Lohnzettel bekommen. Der Arbeitsvertrag ist mir erst verspätet nach meinem Dienstaustritt zugeschickt worden, rückdatiert auf den Diensteintritt. Aber ohne meine Unterschrift.“ Eine ehemalige Mitarbeiterin bestätigt: „Keine Abrechnung“.
Anstelle eines korrekt abgerechneten Gehalts hätten Mitarbeiter oft Vorschüsse von beispielsweise 1000 Euro bekommen, mussten dann aber auf den Rest ihres Gehalts lange warten. Manche Mitarbeiter warten bis heute. Die Arbeiterkammer Salzburg kennt das Problem: „Es werden DienstnehmerInnen eingestellt und nicht – oder nur unzureichend – bezahlt. DienstnehmerInnen haben da oft eine große Geduld und lassen sich über einen längeren Zeitraum vertrösten. Wenn diese Geduld zu Ende ist und sich die DienstnehmerInnen an uns wenden, dann wird auch das Dienstverhältnis beendet, allerdings ohne die ausstehenden Forderungen zu begleichen.“
Weil die Essl GmbH auch auf Forderungen der Arbeiterkammer nicht reagiert, ist die Rechtsabteilung der AK Salzburg aktiv geworden. In weiterer Folge hat das Bezirksgericht Salzburg bereits in mehreren Fällen bedingte Zahlungsbefehle an die Bäckerei erlassen. Auch der Exekutor sei nach Schilderungen von ehemaligen Mitarbeitern schon vorstellig geworden. Der Druck zeigt Wirkung: „Ich hatte schon einen Termin für eine Gerichtsverhandlung, weil die Essl auf das Mahnschreiben der AK nicht reagiert hatte. Zwei Tage vor dem Gerichtstermin wurde plötzlich der Lohn überwiesen“, erzählt eine ehemalige Mitarbeiterin.

Insolvenz getilgt
Die Essl GmbH hatte zuletzt mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Erst am 13. Jänner 2025 wurde der Sanierungsplan rechtskräftig bestätigt. Von den fast 500.000 Euro an Forderungen werden die Gläubiger laut Plan 20 Prozent zurückerhalten. Ende der Zahlungsfrist ist der 11. Dezember 2026, der Konkurs ist aufgehoben. Die totalen Verbindlichkeiten beliefen sich am 31. Jänner 2025 auf 884.000 Euro, der Schuldenstand ist im Geschäftsjahr 2024 jedoch leicht zurückgegangen.
Qualität fraglich
Auch abseits finanzieller Probleme dürfte bei Essl nicht alles rund laufen. So werden die Kisten mit dem Gebäck nach Darstellung einiger Mitarbeiter nicht oder nur selten gereinigt.


Ein prominentes Salzburger Hotel beschwerte sich zuletzt außerdem über abnehmende Qualität. Mittlerweile habe man den Gebäck-Zulieferer gewechselt, wie das Hotel ZackZack gegenüber bestätigte.
Stellungnahme von Frau Essl
Stefanie Essl antwortet auf entsprechende ZackZack-Anfragen kurz angebunden und bestreitet alle Missstände. Die vom Gericht beauftragten Zahlungen seien erledigt und bei „Ungereimtheiten waren wir mit der AK in Kontakt.“ Zahlungen für Verzugszinsen seien „laut Anwalt“ auch abgewickelt worden. Kisten würden nach „vorgegebenen Reinigungsplan“ gereinigt werden.
Bei der Abwicklung des Sanierungsplans und auch sonst „verläuft alles rechtskonform“, erklärt Essl.
Titelbild: ZackZack


